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30.06.2009
Die Schriftstellerin Juli Zeh. (Bild: AP) Die Schriftstellerin Juli Zeh. (Bild: AP)

Gesundheit als höchstes Gut

Juli Zeh: "Corpus Delicti. Ein Prozess", Schöffling Verlag 2009, 240 Seiten

Das neue Buch von Juli Zeh ist ein gruseliger Zukunftsentwurf: Eine Gesellschaft, in der das körperliche Wohl in Form von Fitness alle sozialen und moralischen Werte abgelöst hat.

Juli Zeh besitzt als einige der wenigen Autorinnen den Mut, gelegentlich auch mal den philosophischen Hochsitz zu erklimmen. "Die Wirklichkeit", lässt Juli Zeh etwa eine der Hauptfiguren ihrem vorangegangenem Roman "Schilf" denken, "die Wirklichkeit ist nicht mehr als ein Vertrag zwischen sechs Milliarden Parteien."

In "Corpus Delicti" ändert die studierte Juristin Juli Zeh diesen Vertrag und extrapoliert eine Wirklichkeit in der Zukunft des Jahres 2057.

"Corpus Delicti" ist eine Dystopie in der Tradition von Aldous Huxleys "Brave New World" oder George Orwells "1984": die 1974 in Bonn geborene Autorin schildert darin ein Deutschland unter der Knute einer allumfassenden, alles durchdringenden "Methode": eine vorgeblich wohlmeinende Erziehungsdiktatur, die alle Bürger im festen Griff ihrer täglich und nächtlich erhobenen biometrischen Daten hält:

Sport ist Vorschrift, Alkohol genauso illegal wie Zigaretten, Fitness erste Bürgerpflicht, statt Guten Tag oder Grüß Gott lautet der Gruß in diesem Land: Santé!

Wie alle Dystopien ist Juli Zehs "Corpus Delicti" natürlich auch ein satirischer Spiegel der Gegenwart mit ihren allgegenwärtigen Debatten um marode Gesundheitssysteme, Rauchertoleranz und Eigenverantwortung im Umgang mit dem eigenen Körper.

Besprochen von Denis Scheck

Juli Zeh: Corpus Deliciti. Ein Prrozess
Schöffling Verlag, Frankfurt am Main 2009
240 Seiten, 19,95 Euro


 
 

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