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20.11.2009
Erich Honecker, ehemaliger Staatschef der DDR (Bild: AP Archiv) Erich Honecker, ehemaliger Staatschef der DDR (Bild: AP Archiv)

Sinnlose Arbeit und versteckte Arbeitslosigkeit

Ein Essay von Karin Hartewig

Der Traum von der Vollbeschäftigung gehörte zur alten Bundesrepublik wie Persil, das HB-Männchen oder der VW Golf. Auch lange nach dem Wirtschaftswunder hielt man an dieser staatstragenden Idee fest. Nur die entschwundene DDR pflegte noch entschlossener ihr rosiges Selbstbild einer Arbeitsgesellschaft ohne Arbeitslose.

Zur unerquicklichen Erbschaft der Wiedervereinigung gehört nun, dass die ostdeutsche Legende - "Wenigstens hatten alle Arbeit" - sich mit den westdeutschen Illusionen auf das Schönste verbunden hat. Auch dies befördert die Mutation der sozialen Marktwirtschaft zu einer verkappten Staatswirtschaft. Eine Gesellschaft, der die Arbeit ausgeht, behilft sich aus politischen Gründen mit dem Erfinden sinnloser Arbeit in nie gekanntem Ausmaß. Da wird ein Ladenhüter des Versandgeschäfts staatlich gestützt, damit der letzte Katalog im Ziegelsteinformat produziert werden kann, obwohl schon abzusehen ist, dass der ganze Laden auseinanderfliegt. Da expandiert seit der Wende eine staatlich subventionierte Armutsindustrie der Beschäftigungsgesellschaften, Scheinfirmen und Ein-Euro-Jobs. Die großflächige Marktersatzmaßnahme ist so unproduktiv und perspektivlos wie seinerzeit die nominale Vollbeschäftigung in der DDR. Mit ihr hält das absurde Theater der unnützen Arbeit auf breiter Front Einzug in die Ökonomie.

Und um die Arbeitslosigkeit zu kaschieren, greift man in die sozialpolitische Mottenkiste: In der gegenwärtigen Krise wird ein Millionenheer von Beschäftigten auf Kurzarbeit gesetzt. Mit Sonderunterstützung vom Staat leisten sich etliche Unternehmen Mitarbeiter, die nicht mehr gebraucht werden. Auch in der DDR wurde trotz chronischer Unterbeschäftigung der Belegschaften kaum jemand entlassen. "Es geht um die Arbeitsplätze" - damals wie heute muss dieses Panik-Argument in der Politik für vieles herhalten. Nicht nur die alten Zausel der SED fürchteten das Gespenst des Kapitalismus.

Doch die Subvention sinnloser Arbeit und versteckter Arbeitslosigkeit schützt nicht vor dem Kollaps. Im Herbst 1989 dämmerte dies sogar der SED-Führung. Zuletzt griff selbst sie zum Mittel der Entlassungen. Zu spät! 40 Jahre ruinöser Planwirtschaft, vermeintliche Vollbeschäftigung inklusive, führten noch während der Wende in den Staatsbankrott der DDR. Daran sollte man sich immer erinnern.


 
 

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