Kaum einer kennt mehr das Völkchen, das bis in die vierziger Jahre im heutigen Dreiländereck zwischen der Ukraine, Polen und der Slowakei lebte und eine Zeitlang sogar einen eigenen Staat hatte. In Polen wurden die Lemken, die sich zum orthodoxen Glauben bekannten, stets als Ukrainer angesehen. Woher sie tatsächlich kommen, ist nach wie vor umstritten.
Mit der Besetzung Polens durch die deutsche Wehrmacht und sowjetische Truppen 1939 und der nachfolgenden Angliederung Ostpolens an die Ukraine begann ihr Leidensweg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie zu Tausenden als "faschistische Kollaborateure" an die Sowjetunion ausgeliefert oder in Polens neu gewonnene ehemalige deutsche Ostgebiete deportiert. Es wurde ihnen verboten, ihre Sprache zu sprechen, ihre Kultur zu pflegen.
Heute leben nur noch wenige Lemken in der einstigen Heimat. Ein Großteil ist ausgewandert, 1,5 Millionen allein nach Kanada und Nordamerika. Doch seit den gesellschaftlichen Umbrüchen 1989 kehren viele mit ihren Kindern zurück und feiern in einem stillen Tal in den Beskiden einmal im Jahr ein rauschendes Fest, die Vatra von Zdynia.
Mirko Schwanitz: Geboren 1963. Journalistikstudium in Leipzig, außenpolitischer Redakteur bei Tageszeitungen in Potsdam und Berlin, danach freiberufliche Tätigkeit für den Hörfunk der ARD und die BBC. Seit 1992 Berichte, Reportagen und Features vorrangig aus Ost- und Südosteuropa.
Manuskript: Das Fest der Lemken
Audio-Ausschnitt: Das Fest der Lemken
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