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10.05.2013
Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opern-Platz (Bild: AP Archiv) Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opern-Platz (Bild: AP Archiv)

Verbrannte Bücher, vergessene Autoren

Werke und ihre Autoren nach der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933

Von Tomas Fitzel

Vor 80 Jahren verbrannten die Nazis in ganz Deutschland Bücher - Zehntausende Werke gingen in Flammen auf. Viele der damals verfemten Autorinnen und Autoren verloren ihre Existenzgrundlage, wurden ins Exil getrieben, ermordet. Deutschlandradio Kultur will an einige erinnern, die nach dem Krieg weitestgehend vergessen wurden.

Deutschlandradio Kultur sendet den ganzen Tag über die Porträts der folgenden Künstler. In der Ortszeit (um 7:33 Uhr und ab 12:07 Uhr), im Radiofeuilleton (um 10:16 Uhr und um 16:33 Uhr) und in Fazit (ab 23:05 Uhr).

Modern und selbstbewusst: Irmgard Keun
Irmgard Keun war eine moderne, selbstbewusste Frau. Entsprechend ließ sie sich die Verbrennung ihrer Bücher nicht einfach so gefallen: Sie reichte Klage ein. Eines ihrer bekanntesten Werke ist "Gilgi - Eine von uns", das 1932 noch verfilmt wurde. 1936 floh Irmgard Keun gemeinsam mit Joseph Roth in die Niederlande. Im Exil litt sie enorm, 1940 schließlich kehrte sie nach der Besetzung der Niederlande zurück nach Köln, wo sie bis Kriegsende in der Illegalität lebte. Auch nach dem Krieg besserte sich Irmgard Keuns Situation nicht, sie war verarmt und lebte zeitweise in einem Schuppen auf einem Ruinengrundstück. Schließlich wurde Irmgard Keun entmündigt und in die Psychiatrie eingewiesen. Ihr literarisches Werk blieb bis 1977 vergessen, der Journalist Jürgen Serke entdeckte ihre Schriften wieder, sie wurde schließlich neu aufgelegt.

Das Buch "Heeresbericht" von Edlef Köppen.  (Bild: Tomas Fitzel)

Das Buch "Heeresbericht" von Edlef Köppen. (Bild: Tomas Fitzel)

Antikriegsschriftsteller: Edlef Köppen
Edlef Köppen ist zugleich einer der modernsten wie unbekanntesten Antikriegsschriftsteller. In seinem erfolgreichen Roman "Heeresbericht" verknüpfte er die Erlebnisse eines fiktiven Soldaten mit Originaldokumenten der Heeresleitung. Köppen war selbst als Soldat im Ersten Weltkrieg, wurde schwer verletzt. Danach verdingte er sich als Lektor und gründete schließlich seinen eigenen Verlag namens Hadern. Ab 1925 war Edlef Köppen dann auch im Rundfunk beschäftigt, im Berliner Haus des Rundfunks, wurde aber schon 1933 fristlos entlassen. Er wollte sich beim Film durchschlagen, weigerte sich aber beharrlich, den Nazis zu dienen. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg starb Köppen schließlich 1939 an den Folgen seiner Kriegsverletzungen. Sein "Heeresbericht" wurde 1976 neu aufgelegt.

"Vorschläge eines Schriftstellers" von Georg Hermann.  (Bild: Tomas Fitzel)

"Vorschläge eines Schriftstellers" von Georg Hermann. (Bild: Tomas Fitzel)

Jüdischer Volksschriftsteller: Georg Hermann
Georg Hermann schloss mit seinen Werken vor dem Ersten Weltkrieg an Fontane an. Als Volksschriftsteller beschrieb er in "Jettchen Gebert" und "Henriette Jacoby" das jüdische Leben in Berlin. Hermann war überzeugter Demokrat und Republikaner. 1909 gründete er den "Schutzverband deutscher Schriftsteller". Sein Alter Ego ist der Schriftsteller Fritz Eisner, den er in einem Fünfteiler den Umbruch des Kaiserreichs in die Weimarer Republik erleben lässt. Nachdem er zunächst in die Niederlande geflohen war, wurde Georg Hermann im November 1943 in Auschwitz umgebracht.

Maria Leitner, vermutlich im Jahr 1931. (Bild: Die Welt der Frau, H. 1/1931, 2. Umschlagseite)

Maria Leitner, vermutlich im Jahr 1931. (Bild: Die Welt der Frau, H. 1/1931, 2. Umschlagseite)

Reporterin und Kommunistin: Maria Leitner
Maria Leitner reiste für ihre Reportagen um die Welt, vor allem in die USA, das war in den 20er-Jahren. Dort nahm sie mehr als 80 Stellen an, um die prekären sozialen Verhältnisse am eigenen Leib zu spüren. Im Fokus von Maria Leitners Werken standen dabei immer die Frauen. Nach ihrer Emigration reiste Leitner bis 1939 einige Male illegal nach Deutschland, um Reportagen zu schreiben. Schließlich lebte sie, ausgehungert und vergessen, in Frankreich. 1941 starb sie in einer Marseiller Psychiatrie. Weil sie Kommunistin war, wurden Maria Leitners Bücher in der DDR gelesen, im Westen verblassten ihre Spuren hingegen. Eine Sammlung ihrer Reportagen erschien 1985 im Aufbau Verlag. In diesem Frühjahr ist ein Buch über sie und mit Texten von ihr im Dietz Verlag erschienen.

Buchcover von Alexander Moritz Freys Werken. (Bild: Tomas Fitzel)

Buchcover von Alexander Moritz Freys Werken. (Bild: Tomas Fitzel)

Klassiker der literarischen Moderne: Alexander Moritz FreyAlexander Moritz Frey war im Ersten Weltkrieg Hitlers Kriegskamerad. Entsprechend versuchten die Nazis, Frey zu bezirzen: Sie boten ihm an, das Feuilleton im "Völkischen Beobachter" zu übernehmen. Doch Frey lehnte ab und floh im März 1933 im Kofferraum eines Autos versteckt zunächst nach Österreich, 1938 schließlich in die Schweiz. Dort wurde er jedoch bis kurz vor seinem Tod nicht eingebürgert, verarmte, geriet in Vergessenheit. Und das, obwohl Thomas Mann seine Arbeit in Form des Romans "Solneman der Unsichtbare" (man muss den Namen rückwärts lesen) von 1914 hoch gelobt hatte. Er gehört zu den Klassikern der literarischen Moderne. 1929 erschien "Die Pflasterkästen", ein sogenannter Feldsanitätsroman. Er starb verarmt und vergessen in Zürich.


 
 

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