Vor 15 Jahren besuchte die Amerikanerin Donna Tabor Nicaragua, das zweitärmste Land Lateinamerikas. Heute kann sie sich nicht mehr vorstellen, in den USA zu leben. Denn Tabor hat in Nicaragua zahlreiche Sozialprojekte für Kinder aufgebaut, die ihr ans Herz gewachsen sind.
Jeden Tag schaut Donna Tabor hier vorbei, in der Schule "Quinta los Chavalos", einem Hinterhof am Nicaraguasee mit bunten Holztischen. Die Kinder, zwischen sechs und 15 Jahre alt, grüßen die Amerikanerin mit einem kurzen "Hola". Hier können sie all das vertiefen, was an der staatlichen Schule zu kurz kommt, erklärt die 69-Jährige, die mit ihrem kurzen, grauen Haarschopf eher wie Mitte 50 wirkt.
"Wir haben zwei Schulen hier aufgebaut: 'escuelita, yo puedo' - 'Schule, ja ich kann', und 'Quinta los Chavalos'. Das sind Ergänzungsschulen. Denn wegen der wenigen Schulen hier in Nicaragua und der vielen Kinder, können sie nur rund drei Stunden pro Tag die Schule besuchen. Das ist nicht genug, um ihnen wirklich etwas beizubringen."
Wir lernen hier Mathematik, Spanisch, wir reden über Ernährung und Aids, erzählen drei Zehnjährige stolz. Donna Tabor schmunzelt und geht in das nächste offene Klassenzimmer, wo Mathematik gelernt wird.
"Die Bildung hier? Die Lehrer sind sehr engagiert, tun, was sie können. Aber sie sind einfach unterbezahlt und schlecht ausgebildet."
Gute Bildung kann sich in Nicaragua nur leisten, wer Geld hat. Und das ist ein sehr geringer Teil der Bevölkerung. Vor allem die Kinder leiden unter der Perspektivlosigkeit, die der Mangel an Bildung mit sich bringt, und greifen schnell zur Droge. Wer einmal "abgerutscht" ist, hat kaum eine Chance auf ein Leben außerhalb der Armenviertel. Diesen Kreislauf wollte die Amerikanerin unterbrechen.
"Ich bin nun die Projekt-Chefin von Building New Hope. Wir sind eine kleine Gruppe amerikanischer Bürger aus Pittsburgh. Wir fingen mit Bildungs-Projekten an. Das ist auch nach wie vor unser Haupt-Fokus."
Vor 13 Jahren reiste die gebürtige Pittsburgherin zum ersten Mal nach Nicaragua, als Mitglied des amerikanischen Friedenscorps. Als ihre Zeit als freiwillige Helferin nach 27 Monaten um war, fegte Hurrikan Mitch über das Land hinweg und hinterließ schwere Verwüstungen.
"Also beschloss ich noch eine Weile zu bleiben - und daraus wurden dann 13 Jahre."
Was sie vorher in ihrem Geburtsort Pittsburgh gemacht habe? Dokumentarfilme über soziale Themen gedreht, erzählt Tabor auf dem Weg zu ihrem roten Pick-Up.
"Eigentlich bin ich Englisch- und Literatur-Dozentin, habe vorher an der Universität unterrichtet. Fernsehen interessierte mich aber auch, also arbeitete ich einen Sommer als Praktikantin für eine bekannte TV-Sendung. Ich lernte schnell, und blieb 18 Jahre dort."
In einem Café in der Innenstadt trinkt Donna Tabor kurz einen Café, bevor sie ihre anderen Projekte besucht. Die Straßen sind voll mit Touristen, die in der alten Kolonialstadt die Kathedrale oder den Nicaraguasee besuchen. Wen sie jedoch als erstes in der Stadt kennenlernen, sind die zahlreichen Kinder, die ihnen Nüsse oder Bonbons verkaufen wollen. Genau für diese Kinder habe sie "Rhytm in the barrio" ins Leben gerufen.
"Das sind sieben junge, nicaraguanische Musiklehrer, die in die Schulen gehen und die Kinder dort in Gitarre, Klavier und Flöte unterrichten. Das ist ein ganz faszinierendes Projekt, die Kinder haben schon Aufnahmen gemacht und geben im Park immer mal wieder Konzerte. Sie sind unglaublich, haben überhaupt keine Angst vor dem Publikum und lieben es, aufzutreten."
"Das sind alles sehr arme Kinder, die immer barfuß rumlaufen und sonst nie die Möglichkeit hätten, die Freuden der Musik kennenzulernen. Da sind wir sehr stolz drauf! Wir haben auch eine kleine Bücherei, die einzige Ausleih-Bücherei in der Region, soweit ich weiß."
Ihr nächstes Ziel: bei "Casa lupita" vorbeischauen, eine Art Tierklinik. Denn gestern wurde dort wieder ein abgemagerter Hund abgegeben. Donna Tabor scheint unermüdlich. Die Schul- und Musikprojekte, die Tierklinik und die Bücherei - nein, alleine würde sie das nie schaffen. Aber glücklicherweise kämen jedes Jahr Freiwillige, die ihr für ein oder zwei Monate unentgeltlich helfen. Und auch ihre Töchter unterstützen sie.
"Ich habe zwei große Töchter. Beide leben in Pittsburgh. Sie glauben, dass ich völlig verrückt bin, aber sie lieben es trotzdem und helfen mir. Sie selbst würden so etwas aber nie tun. Sie sorgen sich eher um ihre Fingernägel und darum, was sie für einen Wagen fahren."
Regelmäßig fliegt Donna Tabor nach Amerika, vor allem, um sich um die Spendengelder für "Building New Hope" zu kümmern.
"Ob ich Pittsburgh vermisse? Jedes Mal weniger. Wenn ich dort bin vermisse ich mein Leben hier."
Service:
Weitere Informationen zu Building New Hope gibt es im Internet.
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Profil
Profil: Matthiejs Wouter Knol - Chef des Talentcampus der Berlinale
Sendezeit: 09.02.2012, 10:53
Profil: Jens Thomas, Jazzpianist und Theatermusiker
Sendezeit: 08.02.2012, 10:53
Profil: Heide und Christian Schwochow, Drehbuchautoren
Sendezeit: 07.02.2012, 10:53
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