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10.11.2009
Die Münchner Musikerin Alev Lenz. (Bild: promo) Die Münchner Musikerin Alev Lenz. (Bild: promo)

Erst hart, dann zart

Die deutsch-türkische Songwriterin Alev Lenz

Von Carolin Pirich

Zuerst war sie Frontfrau einer Metal-Band, heute ist sie ein erzählendes Fräulein am Klavier: die deutsch-türkische Songwriterin Alev Lenz. Sie spielte ihre Songs in kleinen New Yorker Clubs - und hat inzwischen genügend Stoff für ein eigenes Album.

So klang Alev Lenz vor fünf Jahren, als sie mit ihrer gleichnamigen Band "Alev" zu Rockfestivals in Deutschland und der Türkei reiste.

"Dieses Feuer, wow, das war einfach nicht mehr da. Ziemlich schnell, als ich gemerkt habe, nee, das bin nicht mehr hundertprozentig ich, habe ich aufgehört."

Nichts mehr erinnert an die Zeit, als Alev Lenz mit wehenden Haaren über die Bühne sauste. Brav ist sie geworden. Könnte man meinen, wäre da nicht die Liebe zu Stöckelschuhen. Rote, schwarze, goldene - sorgfältig aufgereiht stehen sie in ihrer Berliner Altbau-Wohnung. Aber zu einem Fräulein, einem "Story telling piano playing Fräulein", wie sie sich die Sängerin heute nennt, passen die Schuhe dann doch irgendwie.

"So lange ich mich zurück erinnere, wollte ich auf die Bühne. Meine Mutter ist Schauspielerin, vielleicht habe ich sie oft gesehen."

Alev Lenz sitzt auf einem gemütlichen, breiten Sofa. Die blonden, glatten Haare sind zu einem Zöpfchen zusammengebunden. Sie trägt eine helle Jeans und eine wollweiße Strickjacke, über der eine zarte goldene Kette baumelt. Wie man sich ein Fräulein eben so vorstellt. Anmutig, irgendwie. Während sie spricht, pickt sie sich immer wieder ein Stück Ananas in den Mund.

"Ich bin mit klassischer Musik großgeworden. Was München zu bieten hat, ist Hochkultur, Subkultur weniger. Drum habe ich das als Kind unbewusst mitbekommen. Ich wollte gerne ins Ballett. Und Klavierspielen, in Chopin verliebt man sich ja immer."

Die 27-Jährige wuchs in München in einem multikulturellen Haushalt auf, die Mutter eine türkischstämmige Schauspielerin, der Vater ein deutscher Elektroinstallateur. Als sie noch ein Kind ist, trennen sich die Eltern. Der Freund der Mutter zieht zu ihnen, er ist Amerikaner. Von allen hat Alev Lenz etwas mitbekommen: südländische Melacnholie, amerikanische Süße, deutsche Vernunft.

Schon während der Schule träumt sie davon, Ballerina zu sein oder Schauspielerin. Sie will sich ausleben. Als sie gefragt wird, ob sie bei einer Rockband mitmachen will, steigt sie ein.

"Ich gehe immer noch gerne auf Rockkonzerte und denke mir, och, ich könnte auch schon wieder auf die Bühne springen, so von links nach rechts."

Als sich Alev Lenz vor vier Jahren von der Heavy-Metal-Band "Alev" trennt, geht sie nach New York. Sie will andere Musik schreiben, alleine auftreten, anders klingen. Aber wie, das weiß sie noch nicht. In New York erfindet sie sich neu.

"Da bin ich irgendwann in eine Bar reingegangen und habe gesagt, ich würde hier gern spielen. Und dann fragten sie mich: 'Does your music suck?' Bist du scheiße? 'No, I think it's pretty good.' Na ja, dann."

Dem Publikum vorspielen, weiterschreiben, wieder spielen. Jeden Abend in einer anderen Bar. Bis sie genug Songs für das erste Fräulein-Album zusammen hat. Die Besitzerin einer Bar brachte sie auf den Titel, als Alev Lenz ihr sagen sollte, wer sie überhaupt sei.

"So you are a story telling piano playing - what are you? Ah, you're German! You are a Fräulein! You are a story telling piano playing Fräulein."

Die Songs handeln zwar vor allem von Liebe, aber sie erzählen immer eine Geschichte, und das macht sie besonders. Sie sind überlegt instrumentiert: Klavier, Schlagzeug, ein paar Streicher.

Wann immer ihr eine Idee für einen Song kommt, schreibt sie sie auf, sofort. Wenn sie nichts zu schreiben hat, singt sie in ihr Handy.

Der Song kommt auf ihr neues Album, das im nächsten Jahr erscheinen soll. Bis dahin ist sie auch mit ihrem Studium fertig, Politik an der Fern-Universität Hagen. Sie hat es begonnen, als sie noch mit der Band tourte. Und schließlich, sagt das Fräulein und lacht, wisse man ja nie, was kommt.

"Ich bin nicht so diszipliniert, dass ich mir jeden Tag eine Zeitung hole, aber ich dachte, ich könnte studieren. Ich rede ja gern viel, aber ich hätte auch gern etwas dahinter. So ein Studium, hab' ich gedacht, kann da nicht schaden."

Service:

Alev Lenz ist am 13. November in München zu hören und am 16. November in Hamburg. Weitere Termine und Informationen über Alev Lenz finden Sie auf der Internetseite der Sängerin.


 
 

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