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27.08.2010
Schwul-lesbische Hauptstadt Berlin (Bild: AP) Schwul-lesbische Hauptstadt Berlin (Bild: AP)

Frauen singen mit Frauen

Zu Besuch bei den Classical Lesbians in Kreuzberg

Von Vera Block

In Berlin gibt es mindestens ein Dutzend Chöre, deren Sängerinnen und Sänger neben der Liebe zur Musik noch etwas verbindet: Homosexualität. Einer der ältesten lesbischen Chöre der Stadt heißt Classical Lesbians.

Das Warmsingen - bei den Classical Lesbians ist es eine Übung ohne Noten, aber mit vollem Körpereinsatz. 18 Frauen haben einen lockeren Kreis mitten im holzverkleideten Saal gebildet. Sie marschieren auf der Stelle, heben Arme und Knie hoch, strecken den Hals, kreisen mit den Ellbogen. Und singen. Die Übung macht nicht allen gleich viel Spaß. Die einen strahlen, während sie im Takt mit den Schultern wippen und mit den Fingern schnipsen. Die anderen machen mit, weil das Warmsingen zur Probe gehört. Die einen sind gerade mal Mitte 20, die anderen schon in Rente. Sportlich und pummelig. Kurzhaarig und graumeliert.

"Es ist einfach schön, in einem Chor zu singen, in der man sich nicht erklären muss, sich nicht noch mal extra outen muss."

Sagt Katrin Klose, die seit vier Jahren bei den Classical Lesbians mitsingt.

Und es ist auch in gewisser Weise eine politische Sache, dass es uns als einen erklärten lesbischen Chor wirklich gibt, dass es diese Vielfalt an Chören gibt.

Classical Lesbians gibt es seit 14 Jahren. Am Anfang waren es nicht mal zehn Frauen. Allesamt kirchenchorerprobt und durch die Lust vereint, klassische Musik zu singen, erinnert sich Marlies Rüster, eine der Dienstältesten bei den Classical Lesbians:

"Die Gründungsfrauen, die ersten fünf bis sieben, waren auch mit der Kirche verbunden, die arbeiten bei Lesben und Kirche mit, die erste Chorleiterin war Kantorin und spielte Orgel. Das war der Start."

Mittlerweile ist der Chor auf 25 Stimmen angewachsen. Und auch drei Paare haben sich bei den Proben gefunden.

Marlies Rüster: "Eigentlich ist es für einen Lesbenchor eine sehr geringe Quote. Sehr viele haben ihre Liebste außerhalb."

Ein Mal die Woche treffen sich die Frauen im Saal der Stadtmissionsgemeinde in Berlin-Kreuzberg. Das Repertoire der Classical Lesbians reicht vom Barock über Romantik bis zur Moderne. Doch die Chorleiterin, Sibylle Fischer, hat oft Schwierigkeiten, passende Stücke für einen Chor zu finden, der nur über weibliche Stimmen verfügt:

"Weil der allergrößte Bestandteil für gemischte Chöre ausgelegt ist. So dass das Repertoire relativ klein ist, also muss ich lange suchen, bis ich finde, was sich perfekt eignet für den Chor sowohl inhaltlich, als auch stimmlich, als auch sängerisch, als auch atmosphärisch. Und manchmal gelingt mir das und es sind richtige Highlights. Wir haben einmal ein Stück gemacht von Ethel Smyth. Das ist eine Frauenrechtlerin vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Das ist zumindest eine, die eine feministische Perspektive hat. Und bewusst für Frauenwahlrechtsbewegung geschrieben hat. Für lesbische Komponistinnen muss man in andere Musikkategorien gehen."

Classical Lesbians bleiben lieber bei der Klassik.

Sibylle Fischer: "Seit ich da bin, in den letzten 1,5 Jahren haben wir uns viel mit Romantik beschäftigt und da gibt es auch durchaus Originalliteratur für Frauenchor. Zum Beispiel Fanny Hensel, Schwester von Felix Mendelsohn- Bartholdy. Die hat so geschrieben, dass es gut für Frauenchor zu singen ist. Für Sopran, Alt und Tenor, aber perfekt für uns geeignet, weil einige Damen dabei, die sehr gerne tief singen und auch sehr gekonnt."

Marlies Rüster, zum Beispiel. Bis vor kurzem wusste die Hobbysängerin von ihren stimmlichen Fähigkeiten nichts. Mittlerweile ist Marlies Rüster ganz offiziell: "Tenörin".

Marlies Rüster: "Inzwischen nehme ich Gesangsunterricht bei Sibylle. Sie reizt schon die Scala bis ganz nach unten und ganz nach oben aus, so dass ich schon ganz überrascht bin, was da alles geht. Sie sagt, fast drei Oktaven."

Die Frauentauglichkeit von Partituren ist eine der Nöte bei den Classical Lesbians. Eine andere ist die passende Textauswahl.

Sibylle Fischer: "Was wir vielleicht nicht anstreben, ist die Liebe zwischen Mann und Frau ausführlich zu besingen. Das müssen wir nicht. Wenn so was vorkommt, dann kann man ein Wörtchen schon mal austauschen. Dann wird aus einem ER schnell mal eine SIE .Und wir haben einen Text aus dem 16 Jahrhundert und er heißt My sweetest Lesbia."

Andererseits - geben die Frauen lächelnd zu - weil die meisten Komponisten und Dichter Männer sind, sind ihre Werke für einen lesbischen Chor - genau richtig.

Chor-Homepage


 
 

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