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25.01.2006
Anders als "Brigitte" gibt es "Frida" noch nicht als Print-Ausgabe. (Bild: AP Archiv) Anders als "Brigitte" gibt es "Frida" noch nicht als Print-Ausgabe. (Bild: AP Archiv)

Eine andere Frauenzeitschrift

Gabriele Bärtels und ihr Online-Magazin "Frida"

Von Kirsten Wenzel

Keine Mode, keine Schminktipps und kein Starkult: Das Online-Magazin "Frida" will anders sein als die meisten seiner Schwestern - und "die erwachsene, facettenreiche und politische Frau" ansprechen. Schöpferin Gabriele Bärtels möchte das Magazin eigentlich auch gedruckt sehen, doch noch traut sich kein Verlag. Nun ist Bärtels für den Preis der besten Online-Journalistin Deutschlands nominiert.

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Gabriele Bärtels: "Wenn ein Marsmensch in einem Kiosk landen würde und wollte versuchen, sich aufgrund von Frauenmagazinen ein Bild zu machen von Frauen, der würde so was von meilenweit danebenliegen und wahrscheinlich auch ganz schnell wieder abhauen, weil das ist wie für Barbiepuppen geschrieben oder so, die den ganzen Tag nur dasitzen, sich die Nägel feilen und nichts zu tun haben."

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Gabriele Bärtels ist eine zierliche Frau Mitte 40, mit kurzen, dunklen Haaren. Bevor sie Frida entwickelte, hat sie für viele andere Frauenzeitschriften gearbeitet, als Quereinsteigerin. Sie hat keine journalistische Ausbildung, sie war bis 32 Sachbearbeiterin bei einer Versicherung, danach ein paar Jahre in Berliner Literaturkreisen unterwegs. Ihre erste Titelgeschichte für die Zeitschrift "Elle" schrieb sie erst mit 38. Eine späte Entdeckung ihres Talents: Jetzt wollte sie viele spannende und gutrecherchierte Geschichten mit Gefühl und Realität veröffentlichen. Sie schrieb auch, eine ganze Schublade voll, wurde gelobt, verkaufte einiges. Doch gedruckt wurde es oft nicht.

Gabriele Bärtels: "Ich hab' mal eine Glosse über das Putzen geschrieben, die wollte keiner haben, weil Frauen in Frauenmagazinen nicht putzen. Oder: hab' mal den Auftrag bekommen, ein Porträt zu machen über eine Prostituierte mit Kindern, fand ich auch ein total schönes Thema, mal zu gucken, wie geht eine Prostituierte damit um, dass sie Mutter ist, was teilt sie ihren Kindern mit, wie wachsen die auf. Und dann hat mich irgendwann die stellvertretende Chefredakteurin des Magazins angerufen und gesagt: Dass die Redaktion den Text gelesen hätte und ihn alle TOTAL schön finden, aber er wäre doch zu "igittigitt" für ihre Leserinnen!"

Die Leserin, eine Kunstfigur wie aus der Haarspray-Reklame, eine Puppe, der man nichts Unästhetisches zumuten kann. An diesem "Realismusfilter" scheitern viele Themen in der Welt der Hochglanzmagazine. Irgendwann hatte Gabriele Bärtels auf diese Weise genügend Texte für ein eigenes Magazin zusammen. Eine Internetseite genügte, dazu kamen bald andere Autoren und Fotografen, denen die Idee gefiel - und 100.000 Besucher. So entstand Frida.

Gabriele Bärtels: "Ich glaube, dass Frida 'ne ganz normale Frau ist. Frida gefällt mir gut, weil es einfacher ist, nicht so niedlich und so süß, sondern praktischer, alltäglicher und frecher, bodenständiger, so was."

Auf Frida.de stehen Reportagen über den Tod der eigenen Mutter, die Liebe zu einem alten Mann, das Drama der Partnersuche. Eine Reportage über die Kindheit Angela Merkels genauso wie die Erörterung des bisher wenig beachteten Figurproblems "Bügelbrettpo". Poetische, nachdenkliche, fröhliche und persönliche Geschichten, die man auch anderswo gerne lesen würde. Eine Autorin beschreibt, wie sie den richtigen Zeitpunkt zum Kinderkriegen verpasst hat, und eine andere, wie sich ihre Füße nach sieben Tagen Tangokurs anfühlten.

Welten, Herzen, Künste, Körper und Wirtschaften heißen die Ressorts in Frida. Dinge, über die sich Frauen - und nicht nur sie - gerne austauschen. Fünf Ausgaben sind bisher erschienen und ein Ende ist nicht in Sicht. "Frida gefällt uns", sagen manchmal auch die Leute aus den Zeitschriftenverlagen: "Wir würden sie gerne drucken, eigentlich... Doch ohne hundert Seiten Mode und Kosmetik gibt es doch keine Anzeigen."

Gabriele Bärtels: "Aber das impliziert ja, dass Frauen nur Kosmetik kaufen oder Diätmargarine oder so was, und das geht doch an der Realität heute und schon lange Zeit vorbei. Also wir Frauen kaufen wie jeder Mann Stühle, Waschmaschinen, Computer, Bleistifte, Autoversicherungen oder irgendwas, Reisen..."

Bis das ganz oben angekommen ist, halten die anderen die Lufthoheit über den Zeitungskiosken. Und bis dahin gibt es das Internet, in dem in Zukunft schon so manche wahre und schöne Idee aufblühen kann, bevor jemand da draußen in der Welt an sie glauben will.



 
 

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