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05.01.2009
"existenzielle" ist eine Zeitschrift für Frauen in der Wirtschaft. (Bild: AP) "existenzielle" ist eine Zeitschrift für Frauen in der Wirtschaft. (Bild: AP)

Finanzen aus Frauensicht

Andrea Blome gibt die Wirtschaftszeitung "existenzielle" heraus

Von Susanne Wankell

"existenzielle" ist eine Zeitschrift für Frauen in der Wirtschaft - mit Themen und Porträts rund um Unternehmen, Geld und Finanzierungsfragen, aber auch mit jeder Menge Service. Chefredakteurin und Herausgeberin ist Andrea Blome aus Münster. Das Magazin geht 2009 ins fünfte Jahr, hat seinen festen Kundenstamm, doch die Zukunft des Fachmagazins ist ungewiss.

Ich treffe die Chefredakteurin Andrea Blome in ihrem Büro nahe des Hauptbahnhofs in Münster. Plätzchen stehen auf dem kleinen Tisch - von der Praktikantin für die Chefin selbst gebacken. Andrea Blome sieht angestrengt aus. Sie hat viel Arbeit, denn das Magazin "existenzielle" muss kämpfen, um wirtschaftlich zu überleben.

"In der Literatur heißt es, ein Unternehmen braucht fünf Jahre, um sich zu stabilisieren und zu zeigen, ob es am Markt bestehen kann. Ich mache das jetzt vier Jahre, eines werde ich mir noch geben.. Es gibt Magazine für Taubenzüchter und Goldfischliebhaber, warum sollte es keine Magazin für Frauen in der Wirtschaft geben."

Andrea Blome kann kämpfen. Die heute 43-jährige Chefredakteurin und Herausgeberin des Wirtschaftsmagazins studierte in Münster und Nymwegen katholische Theologie, Sozialwissenschaften und Niederländisch - mit Schwerpunkt Frauenstudien. Nach dem Studium zurück in ihrer Geburtsstadt Münster bewarb sie sich für ein Radiovolontariat - vergeblich.

"Ich stellte fest, damals, bei Bewerbungen um Stellen: In dieser Medienbranche bin ich den Leuten ganz suspekt, weil ich Theologin bin."

Auch eine wissenschaftliche Karriere an der Universität war für sie nicht das Richtige. Also fuhr sie erst mal Taxi.

"Das war ein guter Job, um Abstand zu bekommen zum Wissenschaftsbetrieb, von diesen verkopften, theologischen und abgedrehten Fragen, wo mich Freunde und Freundinnen fragten: Wozu ist das wichtig? Ich wußte das auch nicht mehr."

Noch während des Studiums arbeitete sie ehrenamtlich mit bei der "Schlangenbrut", einer christlich, feministisch-wissenschaftlichen Zeitschrift.

"Also, ich glaube, was ich da gelernt habe - auch wenn die Konzepte , die wir jetzt machen, ganz andere sind - ist eine Vision davon zu haben, wie soll das Heft aussehen, konzeptionell zu arbeiten, mir vorzustellen, was braucht dieses Heft an Text, an Bildmaterial, damit es ein schönes, rundes, lesbares Produkt wird."

"existenzielle" war zunächst regional auf das Münsterland begrenzt und wurde von einem eigens gegründeten Verein herausgegeben. Chefredakteurin der ersten Ausgabe: Andrea Blome:

"Wir wollen ein Magazin machen, das ehrlich berichtet, das authentisch ist, das Frauen so zeigt, wie sie arbeiten und wie sie arbeiten könnten, das Vorbilder schafft und gleichzeitig versucht, nicht oberflächlich über Erfolg zu schreiben, nicht so zu tun, als sei Erfolg leicht."

Das journalistische Handwerk hatte Andrea Blome als freie Mitarbeiterin in der Lokalredaktion einer Münsterschen Zeitung gelernt.

"Und da habe richtig viel und hart gearbeitet: Alles, was man im Lokaljournalismus macht, vom sprichwörtlichen Kaninchenzuchtverein über die Hühnerausstellung, über Schützenvereine und Karneval. Es war schrecklich und anstrengend. Aber es war auch so, dass ich selbst bei den Schützenfesten Spaß daran hatte, den Schützenkönig zu interviewen. Ich fand die auch toll, das waren lauter Leute, mit denen hätte ich kein Gespräch geführt in meinem normalen Leben."

Diese Zeit hatte 1999 ein Ende, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger wurde. Sie konzentrierte sich auf den Aufbau ihrer Zeitschrift, bekam ihr zweites Kind. Doch Ende 2004 war dann Schluss, der Trägerverein hatte kein Geld mehr.

Also ging die Diplom-Theologin und Feministin Andrea Blome zur Bank, kämpfte um einen Kredit und wurde Unternehmerin. Sie gründete einen Verlag und gibt nun die "existenzielle" selbst heraus.

"Wenn ich die Entwicklung betrachte, ist das Heft professioneller geworden, es sieht schöner aus. Es gibt nach wie vor Themenschwerpunkte, es gibt immer eine Rubrik, die sich auf Finanz-Steuer, sonstige Geldfragen konzentriert. Es gibt immer Lesetipps, es gibt einen Marktplatz, wo es bunt zu geht und Netzwerke eine Rolle spielen."

Viermal im Jahr erscheint die "existenzielle", jedes Heft kostet 5,50 Euro. Das Magazin liegt bundesweit an den Bahnhofkiosken bereit, die Abonenntenzahl steigt langsam, aber stetig. Derzeit werden jeden Monat 30.000 Exemplare gedruckt.

"Ich kann das Heft seit vier Jahren produzieren. Das heißt, ich kann Autorinnen bezahlen, Fotografinnen bezahlen, den Vertrieb, den Druck, die ganze Produktion. Es bleibt aber nichts hängen. Das heißt, dieses Heft ist noch nicht wirklich in der Gewinnzone."

Geld verdient sich Andrea Blome mit ihrer freien jounalistischen Arbeit. In ihre Zeitschrift steckt sie weiterhin Zeit, Geld und Herzblut.

"Die Entscheidung, ein Frauenmagazin zu machen, ist eine Entscheidung für die Sichtbarkeit dieser Zielgruppe. Das wird von manchen Kollegen und Kolleginnen belächelt, tatsächlich mit der Unterstellung: Na ja, wenn die das noch nötig hat, sich daran abzuarbeiten, wir haben das längst nicht mehr nötig. Es steht nicht darauf, dass es ein feministisches Magazin ist, aber natürlich ist es das."


 
 

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