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08.06.2009
Der aktuelle Krimi von Ingrid Schmitz spielt im "Second Life". (Bild: Ars Electronica Futurelab) Der aktuelle Krimi von Ingrid Schmitz spielt im "Second Life". (Bild: Ars Electronica Futurelab)

Krimiautorin in zwei Welten

Ingrid Schmitz schreibt über "Second Life" und platziert sich und ihre Figuren darin

Von Stephanie Kowalewski

Die Krimiautorin Ingrid Schmitz arbeitet crossmedial in zwei Welten: In der realen Welt hat sie jüngst den Roman "2 Leben - 1 Tod" vorgelegt. Gleichzeitig bewegen sich die Hauptfiguren ihres Krimis - und auch sie selbst - in der virtuellen Welt des "Second Life".

"Hallo. Wie Sie schon mitbekommen haben, bin ich Sameja Lomba alias Ingrid Schmitz. Ich verbringe einen Großteil meiner SL-Zeit auf Event Island, insbesondere in meinem kleinen Reiche, der Literaturburg."

Schon seit Jahren führt Ingrid Schmitz ein Doppelleben, zumindest schriftstellerisch. Als Pixelfigur Sameja Lomba lebt sie in der virtuellen Welt des "Second Life", das Insider kurz SL nennen.

Im realen Leben wohnt die Krimiautorin irgendwo am Rand von Krefeld. Das kleine braune Klinkerhaus ist umgeben von Wald, Feldern und Wiesen. In ihrem üppigen Garten hüpfen Hasen umher, nebenan grasen ein paar Pferde.

"Das ist eine tödliche Idylle hier (lacht). Da müssen solche Phantasien entstehen. Man will ja auch ein bisschen Abwechslung im Leben (lacht)."

Abwechslung bedeutet für Ingrid Schmitz vor allem Mord und Todschlag.

"Die kriminellen Machenschaften, ja der Mord an sich, das macht mir einfach Spaß. Auch mir so Plots auszudenken oder Mordmethoden auszudenken. Man kann die Phantasie spielen lassen."

Auf die Idee zu schreiben brachte sie eine Erzieherin im Kindergarten ihrer Tochter. Ob sie nicht Lust hätte, ein paar Geschichten für die Kita-Zeitung zu schreiben, wurde Ingrid Schmitz damals gefragt. Sie hatte Lust und das Schreiben machte ihr zunehmend mehr Spaß.

"Wusste aber nicht, ob ich jetzt schreiben kann oder nicht, und wollte es lernen. Und absolvierte dann ein dreijähriges Fernstudium über das Schreiben und musste dann irgendwann mich für ein Genre entscheiden."

Zu der Zeit wurde sie auf die "Sisters in Crime" aufmerksam, eine Vereinigung von Krimiautorinnen. Kurzerhand wurde Ingrid Schmitz Mitglied.

"Da hatte ich noch keinen Krimi geschrieben. Ich hatte ein Frauenbuch geschrieben, das wollte niemand haben und ich kannte mich auch gar nicht aus. Verlage waren für mich dann ein rotes Tuch, weil die wollten Geld haben und das wollte ich nicht geben. Ich war ja ein Neuling und wusste auch gar nicht, wie so was funktioniert. Die 'Sisters in Crime', die haben mir dann weitergeholfen und mich auch gewarnt vor bestimmten Verlagen. Das war schon eine sehr große Hilfe. Da kamen schon kriminelle Gedanken auf."

Das alles ist gut neun Jahre her. Inzwischen arbeitet die groß gewachsene 54-Jährige mit den wachen brauen Augen und den fast schwarzen Locken fünf Tage die Woche an ihren ganzen Kriminalromanen. Ganz diszipliniert. Jeden Morgen um sechs Uhr klingelt der Wecker. Kurzes Frühstück mit ihrem Mann, dann sitzt sie am Schreibtisch und arbeitet, unterbrochen von einer kleinen Mittagspause, bis gegen 17 Uhr. An den Wänden ihres holzvertäfelten, eher etwas bieder wirkenden Büros, hängen Bilder von Agatha Christie und Alfred Hitchcock.

Hier entstanden in den vergangenen sechs Jahren an die 40 Krimikurzgeschichten, knapp ein Dutzend Anthologien und drei Kriminalromane. Der jüngste ist 315 Seiten stark und gerade unter dem Titel "2 Leben - 1 Tod" erschienen.

"Das ist der erste Kriminalroman überhaupt, der auch im 'Second Life' spielt",

... sagt Ingrid Schmitz nicht ohne Stolz.

"Das heißt, Sie können alle Orte und alle Figuren im 'Second Life' besuchen. Sie können mit ihnen chatten und - ja, das Buch lebt weiter im 'Second Life'. Ich habe also meiner Serienfigur Mia Magaloff auch eine Villa hingestellt. Und Mia Magaloff ist die erste Protagonistin, die erste Serienheldin, die man virtuell besuchen kann, die real geworden ist."

Auch Ingrid Schmitz alias Sameja Lomba kann im "Second Life" besucht und befragt werden. In ihrem Krimi pendelt die Autorin also zwischen den Welten aus Papier und Pixeln hin und her. Mal lässt sie ihre Hobby-Spürnase Mia Magaloff am Niederrhein ermitteln, mal in die 3D-Welt des "Second Life" eintauchen.

Ingrid Schmitz ist begeistert von den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, die die kleinen Figuren, die Avatare, in der virtuellen Welt haben.

"Man kann da Dinge tun, die man sich vorstellen kann und nicht vorstellen kann. Ich hab das für mich genutzt und Kurzgeschichten über SL geschrieben und mich irgendwann als Schriftstellerin dort geoutet. Und so fing alles an."

Sameja Lomba alias Ingrid Schmitz wurde rasch bekannter - in beiden Welten. Kollegen, Verlage, Medien und auch Leser wollten mehr wissen über die crossmediale Schriftstellerin.

Die Krimiautorin wandelt mit Wonne von der einen Welt in die andere: Sie hält Multimedia-Lesungen in ganz realen Buchläden und in ihrer SL-Literaturburg auf Event Island.

"Sehen Sie diesen Avatar? Das bin ich. Ich kann fliegen und tauchen und Fallschirmspringen und noch viel mehr, erklärte er und grinste zweideutig. Ah ja? Ich sah ihn von der Seite an. Zu gerne hätte ich gefühlt, ob er Fieber hatte."

Dabei sitzt sie in ihrem holzgetäfelten Büro in der tödlichen Idylle am Rande von Krefeld, hat ein Headset auf dem Kopf, das Mikrofon nah am Mund und liest live aus ihrem Buch.

"Es ist verrückt, was man alles machen kann. Ich werde hier groß rauskommen. Lasse mir gerade ein Luxushotel bauen. Hm, ein Hotel, fragte ich. Für diese Püppchen wollen Sie ein Hotel bauen?"

Die Püppchen auf Event Island hören ihr gespannt zu. Und weil sich hinter jedem Püppchen irgendwo auf der Welt irgendein realer Mensch verbirgt, ist "Second Life" auch eine geniale Werbeplattform für ihre Bücher, findet Ingrid Schmitz. Jedenfalls war der Medienrummel um die eher schüchtern wirkende Autorin noch nie so groß wie jetzt. Große Magazine klopften ebenso wegen einem Interviewtermin an, wie regionale Tageszeitungen.

"Ich war ganz aus dem Häuschen, welche Reaktionen da kamen, und ich freue mich natürlich und bin sehr gespannt. Ich lasse mal die Dinge auf mich zukommen."

Währenddessen schreibt Ingrid Schmitz schon an ihrem nächsten Roman. Der wird aber wieder ganz klassisch in der realen Welt spielen, irgendwo am Niederrhein.


 
 

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