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29.12.2012
Ein koptischer Priester während einer Zeremonie in einer Kirche in Alexandria. (Bild: AP) Ein koptischer Priester während einer Zeremonie in einer Kirche in Alexandria. (Bild: AP)

Auf den Spuren der ägyptischen Kopten

Michael Hesemann: "Jesus in Ägypten – das Geheimnis der Kopten", Herbig Verlag, 368 Seiten

Jahrhunderte wurden die christlichen Kopten verfolgt und bekämpft. Der Historiker Michael Hesemann beschreibt ihre Geschichte bis in die Zeit Jesu und der Pharaonen. Gelten die Angehörigen der koptische Kirche doch als deren direkte Nachfahren.

Josef, dem gesetzlichen Vater von Jesus, wird im Traum vom Engel aufgetragen mit Maria und dem Kind vor König Herodes zu fliehen, wie es das Weihnachtsevangelium erzählt. Sie tun dies über den Sinai und entlang des Nil bis nach Oberägypten. Während seiner Reise auf den Spuren der Heiligen Familie begegnet der Autor den tief religiösen Kopten, die heute nicht einmal mehr ein Zehntel der ägyptischen Bevölkerung ausmachen. Für ihren unerschütterlichen Glauben mussten sie wie kaum ein anderes Volk in all den Jahrhunderten bis in die Gegenwart einen hohen Blutzoll bezahlen, wie Hesemann schreibt:

"Die große Christenverfolgung, die von Diokletian begonnen und von Maximinus Daia fortgesetzt worden war, ist das Urtrauma der koptischen Kirche, die sich heute stolz die 'Kirche der Märtyrer' nennt. Sie wurde aus dem Blut der unzähligen Gläubigen, die für Christus ihr Leben hingaben, gewissermaßen neu geboren. Darum ist der Ausgangspunkt des koptischen Kalenders bis auf den heutigen Tag nicht etwa die 'Geburt Christi', es ist das Jahr der Thronbesteigung des Diokletian, das am 29. August 284 nach Christus anfing."

Die Monatsnamen der Kopten tragen zum Großteil Bezeichnungen aus der Zeit der Pharaonen. Gelten doch die Kopten als deren direkte Nachfahren und somit als Urbewohner Ägyptens. Ihre muslimischen Landsleute von heute stammen überwiegend von den Arabern ab, die 640 nach Christus das Land erobert hatten. Auch danach waren die Kopten immer wieder der Verfolgung ausgesetzt - und sind es in diesen Tagen der Re-Islamisierung Ägyptens erneut. Es grenzt an ein Wunder, dass die Glaubensgemeinschaft noch existiert. Doch die Region ist reich an Wundern. Immer wieder nennt sie Autor Hesemann als Grund für den Bau von Kirchen oder Klöstern: Da ließ das Jesuskind der Überlieferung nach Brunnen entstehen, dort verneigten sich Bäume vor ihm oder wurden Menschen geheilt.

Fast jeder Ort, an dem Josef, Maria, Jesus und die in den Evangelien nicht erwähnte Hebamme Salome auf ihrer knapp ein Jahr dauernden Flucht rasteten, wurde zu einer Wallfahrtsstätte. Marienerscheinungen werden bis in unsere Tage berichtet. Der Autor zitiert Apokryphe, also Schriften, die nicht zum Kanon der Evangelien gezählt werden, die über die Flucht der Heiligen Familie berichten. Vieles klingt überraschend, aber nicht unlogisch. Etwa die Stelle im Buch Jesaja des Alten Testaments, die sagt: An jenem Tag wird es für den Herrn mitten in Ägypten einen Altar geben. Tatsächlich liegt Deir al-Muharraq, der südlichste Ort der Flucht der Heiligen Familie mit seiner angeblich von Christus selbst nach seiner Auferstehung gegründeten Kirche, exakt im geografischen Mittelpunkt Ägyptens. Neue Kraft erhielt die koptische Kirche unter ihren beiden bisher letzten Oberhirten, die wie in der katholischen Kirche "Päpste" genannt werden, Kyrill VI. und Shenuda III.

"Kopte ist man mit Herz und Seele oder gar nicht. Schon die Kinder und Jugendlichen werden in das intensive kirchliche Leben integriert, bis es ein fester Bestandteil ihres Alltags ist. Berufungen sind da keine Seltenheit. Seit unter Kyrill VI. das asketische Mönchtum seine Renaissance erlebte, fühlen sich gerade viele junge Intellektuelle berufen, nach dem Vorbild der großen Mönchsväter ein Leben des Gebets und der Enthaltsamkeit in der Einsamkeit der Wüste zu führen."

Das Mönchstum ist nach Überzeugung des Autors in Ägypten entstanden. Die irischen Mönche wurden offenbar von dort inspiriert, die irische Form des Kreuzes etwa findet sich schon bei den Pharaonen. Die Kopten haben vieles aus der heidnischen Religion ihrer Vorfahren übernommen, auch die Heilige Familie als Entsprechung von Isis, Osiris und dem Horusknaben. Hesemann sieht deshalb das Heidentum als Vorbereitung auf die Ankunft des Evangeliums. Er weist immer wieder auf historische Übereinstimmungen hin, um die Exaktheit der Evangelien zu beweisen, aber auch um bestimmte Theorien zu untermauern. Das besondere Verdienst seines Buches ist es aber, eine weithin unbekannte Kirche vorzustellen, ebenso wie ein Ägypten, dessen christliche Kraft man gerade in dieser Zeit leicht übersieht.

Besprochen von Stefan May

Michael Hesemann: "Jesus in Ägypten - das Geheimnis der Kopten"
Herbig Verlag, 368 Seiten, 24, 99 Euro

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"Jesus in Ägypten" - Rezension

Sendezeit: 29.12.2012 16:20

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