Papst Benedikt XVI. hat die traditionelle lateinische Messe gestärkt - und dabei das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Judentum zurückgeworfen. So beurteilt es Hans Hermann Henrix. Denn in der traditionellen Karfreitagsliturgie findet sich auch eine Gebetsfürbitte für die Juden.
Über Jahrhunderte wurde darin für die Bekehrung der "treulosen Juden" gebetet. Dass diese Bitte aufgegeben wurde zugunsten einer Anerkennung des bedingungslosen jüdischen Bundes mit Gott, sieht Henrix als eine der entscheidenden Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die neue alte Form beurteilt er als großen Schritt zurück: denn die Bitte für die Juden wird verknüpft mit der Anerkennung Jesu Christi. Jüdische Menschen seien mit dieser Reform verletzt und ihrem historisch begründeten Misstrauen bestätigt worden. Benedikt XVI. habe hier eine einsame Entscheidung gegen den Rat von Fachleuten zugunsten der traditionellen Messe und zu Lasten des jüdisch-christlichen Dialogs gefällt. Einen generellen Kurswechsel des Vatikans weg von einem Dialog mit dem Judentum befürchtet Hans Hermann Henrix aber nicht.
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