Die Münchner Biennale zeigt mit "Amazonas - Musiktheater in drei Teilen" ein Opernprojekt, bei dem es um den Regenwald und die Yanomami-Indianer geht. Diese Völkergruppe lebt seit Jahrzehnten im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Venezuela, um ihr traditionelles Leben führen zu können: zu jagen und zu fischen.
Bruce Albert: "In den vergangen Jahren hat sich hier natürlich viel verändert. Die Alten tragen zwar immer noch keine Kleidung. Die Jungen dagegen schon. Die sind auch seltener mit Pfeil und Bogen unterwegs. Sie tragen Shorts und interessieren sich mehr für Haarschnitte als für die Jagd.
Aber das ist eigentlich eher ein visueller Wandel, beeinflusst durch die Schule und seltene Besuche in der Stadt. Die wenigen Alten im Dorf versuchen natürlich, ihre Werte aus der Vergangenheit zu bewahren, sie erziehen die Jugend zum Diskurs. Das ist nicht leicht für sie. Aber so bleibt die alte Kultur erhalten mit neuen Einflüssen."
In Watoriki braucht man kein Geld, hier kann man nichts kaufen. Man lebt von erjagten Tieren, Ameisenbären, Fröschen oder Schildkröten. Oder von Manjokfladen, Bananen und Mangos. Kocht über offenem Feuer. Über sein Dorf hinaus bekannt ist Davi Kopenawa Yanomami.
Er ist ein enger Freund von Bruce Albert und der Sprecher der Yanomami-Organisation Hutukara. Davi kämpft gemeinsam mit Bruce für die Rechte seines Volkes - dafür, dass der Regenwald als Lebensraum erhalten bleibt.
"Die Weißen sind ein Volk, das sehr verschieden ist von den Yanomami. Sie wissen nichts über den Wald. Das erste, was ich tun würde, wäre sie zu lehren, was der Wald wirklich ist. Mit all seinen Bäumen, Tieren und Menschen darin und all den anderen Wesen, die ihn bevölkern. Was ich die Weißen noch lehren möchte ist, dass sie den Wald respektieren und ihn nicht zerstören und dass ihre Kinder mit dem Wald in Freundschaft groß werden."
Diese anderen Wesen des Waldes sind böse Geister, wie die Xawara, oder gute Geister, wie die Xapiripe. Sie werden von den Schamanen gerufen, die - beeinflusst von der mit LSD vergleichbaren Droge Yakuhana - mit ihnen durch Tänze und Lieder korrespondieren. Denn die Yanomami sehen sich als Teil einer Geisterwelt, die sie in Form von Pflanzen, Tieren oder Stimmungen umgibt.
Diese Geisterwelt ist nun - in assoziative Bilder verwandelt - Teil eines Opernprojektes geworden. Was der Lebensraum der Yanomami und die Folgen seiner Zerstörung letztlich mit uns zu tun haben, erläutert der Amazonas-Forscher Philipp Fearnside aus Manaus. Texte, die seinen Forschungen entstammen, werden im dritten Teil der Oper zu hören sein:
Philip Fearnside: "Die indigenen Völker sind sehr wichtig für uns. Sie bewohnen ein großes Gebiet des Regenwaldes. Sie sind die besten von allen möglichen Bewohnern, denn sie spielen eine entscheidende Rolle für die Erhaltung dieses Naturraumes. Wo sie leben, wird am wenigsten gerodet.
Es gibt so viele Dinge, die die indigenen Völker uns über den Wald lehren können - wie man mit ihm umgeht, wie man bestimmte Pflanzen und Tiere nutzt. Diese Völker sind immer wieder durch die wirtschaftlichen Interessen anderer bedroht - das heißt, es ist wichtig, immer wieder auf ihre Situation aufmerksam zu machen - und sie international zu unterstützen."
Es sind genau diese wirtschaftlichen Interessen der Weißen, die Lukas, einen der Ältesten im Dorf Watoriki, beunruhigen.
Lukas: "Derzeit kommen wieder Erdfresser - also Goldsucher in unser Land. Straßen werden durch den Wald gebaut und zerstören ihn. Wir sind sehr besorgt."
Lukas hofft auf die weißen Freunde und ihre Unterstützung im Kampf gegen die weißen Feinde. Erzählen sollen sie, wenn sie wieder zu Hause sind. In ihrem Land, in dem man Opern inszeniert. Über das Volk der Yanomami.
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