Sie sind kaum der Rede wert, die Schwachsichtigen, die schlecht geben und schlecht leben, die Geizigen und Knauser, die sich selbst ums gute Leben bringen. Sie raufen sich um Güter, die ihnen der Zufall anvertraut hat, häufen sie auf und bewahren sie vor fremder Gier und eigener Begierde.
Am 31. Oktober begeht der deutsche Protestantismus seinen Feiertag. Erinnert wird an das Datum, da im Jahre 1517 Martin Luther, damals noch ein katholischer Mönch, seine 95 Thesen wider den papistischen Ablasshandel öffentlich machte.
Wir selbst verhalten uns allzu oft nicht so, wie es Solidarität verlangte. Wir haben nämlich in den vergangenen Jahrzehnten nicht die erforderliche Verantwortung für uns übernommen - und der Staat hat uns das leicht gemacht. Damit wir am Geldverdienen und am Geldausgeben, auch für ganz unsinnige Dinge, nicht gehindert würden, sollten wir uns nicht mit der nötigen Verantwortung für uns belasten.
Die Befürworter eines EU-Beitritts der Türkei sind leiser und weniger geworden. Das Aufbegehren des Islam löst gegenüber allem, was im Nahen und Mittleren Osten vor sich geht, doch so viel Unbehagen aus, dass auch die Türkei nicht mehr unabhängig davon gesehen wird. Doch einige Ideen für ihre rasche Aufnahme wollen nicht verschwinden.
Weiß man noch, was ein Abschnittsbevollmächtigter ist? Oder ein Devisenausländer? Oder eine Grilletta? Alle drei Begriffe entstammen dem Sprachgebrauch der vor 16 Jahren untergegangenen DDR. Ein Abschnittsbevollmächtigter war, was man heute wieder einen Revierpolizisten nennt.
Oberflächlich scheint alles in Ordnung: Das Museum für Deutsche Geschichte meldet Besucherrekorde, in Speyer und Paderborn wird an Canossa erinnert, in Magdeburg und Berlin an den Untergang des alten Reiches und noch jede dieser Ausstellungen wird vom deutschen Feuilleton beachtet und mehrheitlich sogar gepriesen.
Uns reißt ja nichts mehr von den Stühlen, uns dekadente Westler, keine Tabuverletzung, kein Frevel, keine Grenzüberschreitung, kein gar nichts. Was Wunder: Das bisschen Herumgefrevele an Kirchen und christlichen Symbolen erledigen unsere evangelischen Pastoren gleich selbst und noch bevor irgendjemand ein Tabu oder bloß so etwas wie Anstand oder Dezenz einfordern kann, gibt es schon einen anderen, der vorauseilend zu umfassender Toleranz aufruft.
Dass es diese Konferenz gibt, die "Deutsche Islam-Konferenz", ist einfach erst mal gut. In eine Sache, die man politisch hat sträflich schleifen lassen, wird jetzt Bewegung kommen. Dass man in einer Demokratie miteinander redet, konferiert, streitet, lernt zu streiten ist etwas Normales, an das wir uns manchmal ausdrücklich wieder gewöhnen sollten.
In einem Land ohne Erinnerung ist alles möglich. Im Vakuum gedeiht die Richtungslosigkeit, denn ohne Woher gibt es auch kein Wohin. Seitdem die 68er und ihre Epigonen, in der unheiligen Allianz mit den Technokraten in den Kultusministerien, den Verbänden und Parlamenten, die tabula rasa des Nichtwissens, Nichtlernens, Nichterinnerns herstellten, ist alles gleich, irgendwo im Nebel ferner Vergangenheiten.
Sieht man von der Allerweltsvokabel "Kultur" einmal ab, so findet sich in der öffentlichen Debatte heute kaum ein Begriff, der semantisch so verwahrlost ist wie der Begriff "Demokratie". Er fungiert als Gefäß für alles Gute und Schöne, das man sich im politischen Leben nur wünschen kann: Von der Friedfertigkeit und Toleranz bis hin zur Menschenliebe.
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Deutschlandradio Kultur
Kulturtipps, Freitag, 24.5.2013, 11.40 Uhr
Sendezeit: 24.05.2013, 11:40
Kulturnachrichten
Sendezeit: 24.05.2013, 11:30
Paralleluniversum Youtube wird gesellschaftsfähig: Webvideopreis in Düsseldorf
Sendezeit: 24.05.2013, 11:09
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