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05.03.2010
Foyer: Pferde mit osmanischen Reitzeugen, Ende 17./Anfang 18. Jahrhundert (Bild: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer. Foto: David Brandt) Foyer: Pferde mit osmanischen Reitzeugen, Ende 17./Anfang 18. Jahrhundert (Bild: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Rüstkammer. Foto: David Brandt)

Osmanische Pracht

Die "Türckische Cammer" zieht nach 70 Jahren wieder ins Dresdner Residenzschloss ein

Von Alexandra Gerlach

Rund 70 Jahre waren prachtvolle Waffen, Reitzeuge und andere Zeugnisse einer ausgeprägten "türckischen Mode" am sächsischen Hof eingemottet. Ab morgen werden die restaurierten Exponate der "Türckischen Cammer", der größten und umfangreichsten Sammlung dieser Art in Deutschland, auf Dauer im Dresdner Residenzschloss zugänglich sein.

Eine orientalische Nacht umfängt den Besucher beim Eintritt in die nachtblau gehaltene Türckische Cammer. Erster Blickfang ist eine prachtvoll geschmückte Gruppe von fünf edlen Araberpferden in Lebensgröße. Dynamisch setzen sie Vorderhufe nach vorne, stolz richten sie ihren Blick mit weit geblähten Nüstern auf den Betrachter. Zaumzeug und Brustgeschirr sind über und über mit Gold- und Silberfäden bestickt, kostbare Schabracken und Satteldecken in tiefrotem, mit Silberfaden durchwirktem Seidensamt bedecken die Kruppe. Kurator Holger Schuckelt ist stolz auf die eigens für diese Ausstellung neu geschnitzten Pferde:

"Es sind im Prinzip Kunstwerke in sich, und dann noch die Ausstattung, das ist natürlich etwas Atemberaubendes."

Die sächsischen Kurfürsten sammelten mit Leidenschaft. Über mehrere Jahrhunderte wurden diplomatische Geschenke und Beutestücke aus Schlachten gegen die Osmanen zusammengetragen. Darüber hinaus wurde aber auch gezielt angekauft:

Schuckelt: "Zwischen 1712 und 1714 befand sich also wieder eine sächsisch-polnische Gesandtschaft in Istanbul und in Begleitung dieser Gesandtschaft war ein sächsischer Adeliger, Johann-Georg Spiegel nach Istanbul geschickt worden, und seine öffentliche Aufgabe bestand darin, Kunstwerke für August den Starken anzukaufen. Unter anderem dieses kleine Zelt da drüben, aber auch eben sehr viele Reitzeuge, Kaftane, Waffen, Musikinstrumente, alles Mögliche."

Rund 60 Einzelstücke aus diesem Ankauf sind noch erhalten und nun vollkommen restauriert und neu inszeniert in der Türckischen Cammer zu bewundern.

Die Hauptattraktion ist das Herzstück der Ausstellung: ein fast komplett erhaltenes, osmanisches Staatszelt, das frei in einem, der fünf Ausstellungsräume steht. Über Jahre wurde es aufwändig restauriert, nun kann der Betrachter es durchschreiten und die neue Pracht fast hautnah bewundern.

Aufwändige Stickereien und Applikationen an den Wänden des 20 mal 8 Meter breiten Zeltes erzählen Geschichten vom Paradies. Bedeutende Persönlichkeiten sollen unter dem reich verzierten Zelthimmel einst festlich gespeist haben. Es ist eines der wenigen historischen Türkenzelte, die weltweit noch erhalten sind, betont Dirk Syndram, Direktor der Dresdner Rüstkammer:

"Das ist das schönste osmanische Textil aus dem 17. Jahrhundert, das Sie überhaupt sehen können, und es ist also mit der Rekonstruktion und Restaurierung, wie wir es jetzt haben, ist das so ein bisschen vergleichbar in der Textilkunst, mit dem Grünen Gewölbe."

Herausragend sei zudem die Erforschung der Historie einzelner Exponate, sagt Syndram. Fast zwei Jahrzehnte lang habe der Oberkonservator der Rüstkammer und Kurator der Ausstellung, Holger Schuckelt genauestens Herkunft und Hintergrund der Exponate recherchiert und dokumentiert. Auch dies trage zur Besonderheit der neuen "Türckischen Cammer" bei:

"Sie ist sicherlich eine der umfangreichsten, eine der historisch vielfältigsten, und sie ist sicherlich von der Qualität der Objekte fast einzigartig."

Und somit, so Syndram weiter, auch besonders wertvoll für türkisch-stämmige Schülerinnen und Schüler in Deutschland.

"Es ist einfach so, hier können sie mit Sicherheit dem Reichtum der eigenen Geschichte begegnen."

In der neuen Dauerausstellung wird es daher auch türkischsprachige Führungen und Prospekte geben. In den vergangenen Wochen wurde bundesweit mit 1,5 Millionen zweisprachig bedruckten Döner-Papiertüten für die neue "Kültur-Begegnung" in Dresden geworben.


 
 

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