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17.08.2010
Blick auf den Eingang des neuen Scientology-Hauptquartiers in Berlin (Bild: AP) Blick auf den Eingang des neuen Scientology-Hauptquartiers in Berlin (Bild: AP)

"Ein Riesenskandal"

Kritik an Schließung der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology

Frank Nordhausen, Journalist und Autor von Büchern über Scientology, hat die "unglaublichen Erfolge" der Leiterin der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology, Ursula Caberta, herausgestellt. Insofern sei die Schließung der Arbeitsgruppe ein "Riesenskandal".

Caberta verliert zum 1. September 2010 ihre Aufgabe bei der einzigen unabhängigen Scientology-Aufklärungsstelle in Deutschland, die auf Betreiben des schwarz-grünen Senats in Hamburg geschlossen wird - der Senat möchte so 140.000 Euro sparen. Die Aufgabe soll an den Verfassungsschutz übergehen.

Nordhausen sagte: "Ich glaube, dass wir heute nur noch die Hälfte Scientologen in Deutschland haben." Das sei ganz wesentlich der Verdienst vor allem von Ursula Caberta. Betroffene hätten eine "unmittelbare Anlaufstelle" gefunden und seien "rund um die Uhr" betreut worden, obwohl Caberta selbst Morddrohungen erhalten habe und monatelang beschattet worden sei.

"Das ist mir unbegreiflich, warum man eine solche engagierte Arbeit zerstören möchte", sagte Nordhausen. Die Hamburger Stelle sei auch weltweit bekannt und für ihre kompetente Hilfe anerkannt gewesen. "Da sind aus der Führungsspitze von Scientology Leute herausgebrochen worden", betonte der Autor.

Die Arbeitsgruppe sei zunächst gegründet worden, weil sich Hamburger Bürger an den "Umtrieben von scientologischen Immobilienhaien" in der Stadt störten. Später beriet Caberta auch Aussteiger und deren Angehörige. Sie sei mit ihnen zu Ämtern und zu Gerichten gegangen, habe Gutachten geschrieben - "das sind alles Dinge, die eine normale staatliche Stelle gar nicht machen darf", so Nordhausen.

Er erinnerte auch an den bundesweit bekannt gewordenen Fall eines 14-jährigen Mädchens, das aus Berlin nach Hamburg geflüchtet war, weil seine Eltern es auf ein Scientology-Internat in Dänemark schicken wollten. "Kann man sich im Ernst vorstellen, dass so ein Mädchen zum Verfassungsschutz flüchtet?" - fragte Frank Nordhausen. Kein Verfassungsschützer gehe mit so einem Mädchen zum Familiengericht, um ihm zu helfen oder für es auszusagen. Zudem brauche man für eine solche Aufgabe einen "gewissen therapeutischen Ansatz, den man haben muss".

Sie können das vollständige Gespräch mit Frank Nordhausen mindestens bis zum 17.1.2011 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.


 
 

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