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24.08.2010
Noch mehr Vollprofis für die Bundeswehr? Die Biathletin Kati Wilhelm verdient ihr Geld mit Schießen (Bild: AP) Noch mehr Vollprofis für die Bundeswehr? Die Biathletin Kati Wilhelm verdient ihr Geld mit Schießen (Bild: AP)

Wolffsohn: Es droht die „Eskalation des rein Militärischen“

Eine Berufsarmee für Deutschland? Historiker Michael Wolffsohn warnt vor fehlender Kontrolle

Der Historiker Michael Wolffsohn hat sich zurückhaltend zur Vision einer reinen Berufsarmee in Deutschland geäußert. Zu befürchten sei, dass die Anteilnahme der Gesellschaft an der Bundeswehr und einem Einsatz wie in Afghanistan sinken werde.

Die Gesellschaft würde sich über die Berufsarmee Sicherheit erkaufen, sagte der Historiker an der Universität der Bundeswehr in München im Deutschlandradio Kultur. Entstehen würde "eine klare Arbeitsteilung, die moralisch zweifelhaft ist und zu einer Verselbstständigung im mentalen Bereich führt sowohl von der Gesellschaft als auch vom Militär".

Dies hätte weitreichende politische Folgen. Zwar würde die Berufsarmee kein "Staat im Staat", aber wenn sie den Auftrag habe, könnte sie relativ losgelöst von der Gesellschaft handeln. "Die Kontrolle ist bei den außenpolitischen Aktionen schwieriger. Keiner schaut hin, weil es ja ein kleiner Teil der Gesellschaft ist, der dient", warnte Wolffsohn. Aufgrund des gesellschaftlichen Desinteresses wäre eine "Eskalation des rein Militärischen" zu befürchten. Dafür gebe es schon klare Beispiele aus der US-Armee, etwa die Folterungen in Abu Ghraib. Sie wären in einer wehrpflichtigen Armee "deutlich unwahrscheinlicher".

Er sehe allerdings keine Gefahr, dass sich die Bundeswehr sich als Berufsarmee zu einem "Staat im Staate" entwickeln könnte. Die mentale und ideologische Struktur der deutschen Soldaten und Offiziere habe sich im Vergleich zur Weimarer Republik und zum Dritten Reich völlig verändert. "Die Nähe zur Demokratie ist verinnerlicht, die steht überhaupt nicht zur Debatte." Vielmehr würde die Bundeswehr als Berufsarmee zu einem Interessenverband neben vielen.

Zugleich sprach sich Wolffsohn für einen Umbau der Bundeswehr aus. Es gehe nicht um Einsparungen, sondern darum, angesichts einer neuen Bedrohungslage eine neue Bundeswehr aufzubauen. Die Gefahrenlage habe sich seit den frühen 90er-Jahren grundlegend verändert. Statt der kommunistischen Gefahr gebe es jetzt beispielsweise die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus. Es sei viel schwieriger, dieses neue Gefahrenszenario der Öffentlichkeit zu erklären. Er würde sich wünschen, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der Debatte um die Zukunft der Bundeswehr diese Verknüpfung stärker herstellte.

Das vollständige Gespräch mit Michael Wolffsohn als MP3-Audio


 
 

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