Moshe Zimmermann, Historiker an der Universität Tel Aviv, verteidigt den Boykott des neuen Kulturzentrums in der Siedlungsstadt Ariel im Westjordanland durch israelische Schauspieler, Theatermacher und Wissenschaftler.
, Mitunterzeichner des Aufrufs. "Die Besatzung dauert schon 40 Jahre - und praktisch boykottieren Akademiker wie ich die besetzten Gebiete seit 40 Jahren." Mit der Eröffnung des Kulturzentrums in Ariel gebe es nun zwar einen aktuellen Anlass zum Protest. Aber: "Im Prinzip sollte man gegen die Präsenz israelischer Kultur in den besetzten Gebieten schon seit 40 Jahren sein."
Dass Ariel teils auch von gemäßigten Stimmen zum israelischen Kernland gezählt wird, will der Historiker nicht gelten lassen. "Solange die Entscheidung noch nicht gefallen ist, sind es noch besetzte Gebiete." Dass das Theaterstück von der Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern handele, ist für Zimmermann ebenfalls kein Argument: "Solange das in den besetzten Gebieten geschieht, ist das eher eine Heuchelei." Eine Versöhnung beginne mit dem politischen Akt - nicht mit einem Theaterstück.
Den Vorwurf von Regierungschef Netanjahu, wonach der Boykott einen Verrat an Israel darstelle, wies Zimmermann zurück. Es sei typisch für die israelische Rechte, dass sie glaube, alle müssten mit ihrer Politik einverstanden sein. Die Frage sei hier jedoch nicht, ob Israel ein legitimer Staat sei. "Die Frage ist, ob die Besatzung legitim ist."
Ebenfalls typisch sei, dass nun mit Kürzungen der Kulturbudgets gedroht werde: "Das ist auch in diesem Fall die Masche der rechtsorientierten, israelischen Politik. Die glauben daran, dass sie hundertprozentig im Recht sind."
Das vollständige Gespräch mit Moshe Zimmermann können Sie bis zum 1.2.2011 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.
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