Wie Kapitalismus im Einzelnen funktioniert, das zeigt der neue Film von Harun Farocki. Es geht um Geschäftsverhandlungen und um Risikokapital - und das klingt zunächst nicht gerade sehr aufregend.
Aber der Autor, Filmemacher und Essayist Harun Farocki hat immer schon einen besonderen Blick gehabt auf das Wirtschaftsleben. Der Film "Die Bewerbung" etwa zeigte Arbeitssuchende, wie sie üben, sich zu bewerben. Der Film "Die Schöpfer der Einkaufswelten" demonstrierte, wie in Einkaufszentren Käufer und Verkäufer für den Umsatz zugerichtet werden.
Jetzt also wieder ein Blick in eine eher unbekannte Welt. "Nicht ohne Risiko" heißt Farockis Film und hinter der abschwächenden doppelten Verneinung steckt Brisanz. Zwei Verhandlungsgruppen stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite Herr Mey, der Unternehmer-Erfinder. Er hat einen berührungslosen Drehmonent-Sensor entwickelt, der in Lastkräne, aber auch in Rennautos eingebaut werden kann. Die Erfindung hat Zukunft, aber Herr Mey hat gerade kein Geld. Sicherheiten für einen Bankkredit kann er nicht aufbringen. Das ist die Stunde des Risikokapitals, und das funktioniert so: Die Investoren übernehmen Teile eines kapitalschwachen Unternehmens, berechnen für das Risiko hohe Verzinsungen und erwarten am Ende gute Profite.
In diesem Fall: Herr Mey braucht 750.000 Euro. Dafür will er 20 Prozent seines Unternehmens hergeben. Aber die Vertreter des Investors "Buchanan" wollen für das gleiche Geld 34 Prozent des Unternehmens haben. Und sie setzen den Unternehmenswert viel niedriger an, denn sie wollen ihr Risiko möglichst klein halten.
Nicht ohne Risiko - heute um 23:15 Uhr im WDR
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