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17.11.2005
Ausgrabungsstätte im Irak (Bild: AP Archiv) Ausgrabungsstätte im Irak (Bild: AP Archiv)

"Deutschland macht sich mitschuldig am Ausverkauf von Kunstwerken"

Archäologe fordert Unterzeichnung von UNESCO-Konvention

Deutschland müsse endlich die UNESCO-Konvention zum Schutz von Kulturgütern unterzeichnen, fordert der Archäologe Dr. Michael Müller-Karpe vom römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz. Bis jetzt sei es hierzulande völlig legal, Kunstgüter zu erwerben, die nach syrischem oder irakischem Recht als Hehlerware gelten, sagte er im Deutschlandradio Kultur vor dem Hintergrund des Kulturraubs in diesen Ländern.

Jene UNESCO-Konvention aus dem Jahre 1970 verpflichte ein Land, die Gesetze eines anderen Landes zum Schutze von Kulturgütern und archäologischen Stätten zu respektieren, erläuterte Müller-Karpe. Diese Konvention sei mittlerweile von fast allen Ländern der Welt ratifiziert worden. Die Ausnahmestellung Deutschlands erkläre sich auch aus Lobbyinteressen, meinte Müller-Karpe und fügte hinzu: "Es geht zum einen um Arbeitsplätze im deutschen Kunsthandel, das ist das Wirtschaftsministerium, das dieses Argument bringt. Eine finanzkräftige Händlerlobby flüstert ihm das ein." Zum anderen kursiere im Justizministerium die Meinung, dass das deutsche Gesetz eigentlich nicht mehr weiter verbessert werden müsste.

Solange die UNESCO-Konvention nicht unterzeichnet sei, mache sich Deutschland mitschuldig am Ausverkauf der Kulturgüter eines Landes, kritisierte Müller-Karpe. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Situation deutscher Archäologen: Sie seien im Ausland einem enormen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt und würden etwa im Irak möglicherweise von der Teilnahme an Grabungen ausgeschlossen werden.

Was derzeit im Kunsthandel vertrieben werde, könne eigentlich nur aus illegalen Verkäufen stammen, meinte er: "99,99 Prozent der angebotenen Antiquitäten an Bodenfunden im Kunsthandel stammen aus Raubgrabungen." Denn Objekte aus legal und ordnungsgemäß dokumentierten Grabungen kämen in das Museum des Herkunftslandes, nicht in den Handel.

Der Archäologe glaubt nicht, dass in deutschen Museen Hehlerware aus dem Irak angekauft und ausgestellt wurde. Momentan sei das auf Grund der erhöhten Medienaufmerksamkeit sehr unwahrscheinlich, sagte er mit Blick auf den Prozess gegen die Kuratorin des Getty-Centers, Marion True, wegen des vermuteten Ankaufs von Hehlerware.


 
 

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