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12.12.2005
Unabhängige Einschätzungen von Lesern, geschrieben in einfachem Deutsch. (Bild: Stock.XCHNG / Victoria Clare) Unabhängige Einschätzungen von Lesern, geschrieben in einfachem Deutsch. (Bild: Stock.XCHNG / Victoria Clare)

Die Amazon-Rezensenten

Wenn Amateure im Internet Bücher besprechen

Von Philip Banse

Wer beim Online-Kaufhaus Amazon angemeldet ist, kann zu Büchern, CDs oder Filmen seine Meinung schreiben. Leser können diese Rezension bewerten. Je mehr hilfreiche Rezensionen jemand schreibt, desto weiter oben steht er in der Rezensentenrangliste. Amerikanische Verlage umwerben die Amazon-Rezensenten - nicht so in Deutschland.

Über Thorbeckes kleine Kräuterapotheke schreibt Bernd Rieger bei Amazon.de:

Es gibt wenige Bücher, die sich so gut als Geschenk für Kräuterheilkundige eignen. Knapp hundert Seiten dick und klein, ist es durchgehend geschmückt mit den schönsten Abbildungen aus alten Kräuterbüchern. Der Begleittext eines Apothekers und Universitätslehrers ist sachlich und grenzt sich wohltuend vom geheimnisvollen Raunen ab, das gerade beim Thema Heilkraft von Pflanzen andernorts an der Tagesordnung ist, ohne dabei verletzend zu werden.

Berndt Rieger ist 43 Jahre alt, er arbeitet in Bamberg als niedergelassener Facharzt für innere Medizin mit Schwerpunkt Naturheilkunde. Seit einigen Jahren schreibt Rieger Rezensionen bei amazon.de: Wer beim Online-Kaufhaus angemeldet ist, kann zu Büchern, CDs, DVD-Playern und Filmen seine Meinung schreiben. Leser können diese Rezension bewerten. Je mehr hilfreiche Rezensionen jemand schreibt, desto weiter oben steht er in der Rezensentenrangliste.

Rieger hat über 192 Rezensionen geschrieben, über 4500 Leser fanden sie hilfreich, macht Platz 27 in der Rezensenten-Rangliste. Viele Bücher, die Berndt Rieger interessieren, werden in traditionellen Medien nicht besprochen. Diesen Werken möchte er helfen. Doch letztlich sollen Riegers Rezensionen vor allem Bernd Rieger helfen, denn der Internist ist Autor medizinischer Ratgeber.

Nehmen wir mal an ein Buch über Schüssler-Salze. Ich schreibe was drüber und dann sagen die Leute: Gut, Schüssler-Salze interessieren mich und was dieser Rezensent darüber zu sagen hatte, das ist für mich interessant, das gefällt mir. Dann kann man ja auf Amazon zur Seite gehen, die dann erklärt, wer denn dieser Rezensent Berndt Rieger ist. Dann erfahren die: Aha, ist ein Arzt, hat eine Praxis, hat noch andere Ratgeberbücher geschrieben und dann kaufen die sich vielleicht von da noch ein Buch und so ist das wirklich, sagen wir mal, ein Geschäftsmodell.

Amerikanische Verlage umwerben die Amateurrezensenten - nicht so in Deutschland. Bernd Rieger bekommt Im Monat zwei bis drei Bücher im Monat zugeschickt:

Von großen Verlagen weniger, eher von kleineren, muss man sagen, oder von den Verlagen selbst, die sagen: Ja, so wie der rezensiert, gefällt mir, ich würd auch gern mal hören, was er zu meinem Buch zu sagen hat.

Kleine Verlage und Autoren - die melden sich auch bei Stephan Seither, 29-jähriger Bankkaufmann bei Karlsruhe. Seither hat für Amazon über 370 Rezensionen geschrieben, die über 12.000 Mal als hilfreich bewertet wurden, Platz 21 auf der Rezensenten-Rangliste. Über das Buch "Stammheim" von Kurt Oesterle schreibt Seither:

Die Berichte, über den Stammheimer 7.Stock und dessen "Bewohner", werfen ein in der Tat lesenswertes Licht auf die RAF-Häftlinge. 100 % befriedigende Antworten auf meine Kernfragen konnte ich hier nicht finden - und das ist auch der Grund, warum ich weitere Literatur zum Thema RAF bemühen werde.

Unabhängige Einschätzungen von Lesern, geschrieben in einfachem Deutsch, das schätzt Seither an den Rezensionen. Amazon behält sich vor, Rezensionen nicht zu veröffentlichen, wenn beispielsweise Schimpfwörter enthalten oder rassistisch sind. Aber richtig schlüssig ist dieses Auswahlverfahren nicht, sagt Rezensent Seither.

Manchmal versteht man die Vorgehensweise von Amazon nicht ganz mit den Veröffentlichungen von Rezensionen. Also nicht jede Rezension, die man schreibt, hat auch die Chance, veröffentlicht zu werden. Wobei, wenn man sie dann ein, zwei, drei Mal schickt, ist sie doch irgendwann drin.

Das Gespräch zum Thema mit dem Verleger Joachim Unseld von der Frankfurter Verlagsanstalt können Sie bis zu acht Wochen nach der Sendung in unserem Audio-On-Demand-Player hören.


 
 

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