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23.11.2006
Linux hält Einzug in die Büros (Bild: AP Archiv) Linux hält Einzug in die Büros (Bild: AP Archiv)

Freie Software für freie Bürger

André Spiegel über das Potenzial der Open-Source-Bewegung

Moderation: Liane von Billerbeck

Nach Ansicht des Programmierers und Autors André Spiegel ist die Open-Source-Bewegung eine ganz neue Art von Bürgerrechtsbewegung. Die Konsumenten würden sich durch freie Software der Macht großer Konzerne entziehen, sagte Spiegel.

Auszüge aus dem Gespräch:

Liane von Billerbeck: Der Hang zum Anarchischen, Aufrührerischen ist für Bayern nicht untypisch. Seit 2003 liefert die Landeshauptstadt München unter ihrem Oberbürgermeister Christian Ude ein Beispiel dafür. Auf ungewöhnlichem Terrain. Weil der Software-Gigant Microsoft der Stadt Knebelverträge diktieren wollte, hat sich München - sehr bayerisch - entschieden, sich aus der Abhängigkeit des Giganten zu befreien. Statt mit Microsoft arbeitet die Stadt mit dem Betriebssystem Linux, das kostenlosen Zugang zu seinem Programm ermöglicht.

Ob das ein Schritt zu einer demokratischeren Anwendung von Technik war, dazu sagte der Oberbürgermeister Ude im Deutschlandradio Kultur:

"Natürlich hat das eine Rolle gespielt, dass die größere Unabhängigkeit gegeben ist, wenn man auch alle Fortentwicklungen, die es auf dem Gebiet gibt, berücksichtigen und aufgreifen kann und eben nicht juristisch einem einzigen Unternehmen ausgeliefert ist. Wobei ich sagen muss, je intensiver wir uns damit beschäftigt haben, kommt man von diesem fast religiösen Gegensatz weg, dass das eine System Teufelswerk sei und das andere ein neues Zeitalter der Demokratie eröffnet. Ich denke, in der Praxis werden sich die beiden Systeme eher aufeinander zu bewegen und es gibt auch immer mehr Möglichkeiten, beides parallel anzuwenden. Bei allen Computern im Schulebereich arbeiten wir nach wie vor mit Microsoft, weil wir die Schüler auf die herrschenden Verhältnisse am Markt vorbereiten möchten. Und diese Koexistenz scheint mir der sinnvolle Weg zu sein."

Von Billerbeck: Oberbürgermeister Udo über die Entscheidung der Stadt München, künftig Linux statt Microsoft einzusetzen.
Welche Konsequenzen das hat, wenn freie Bürger freie Software benutzen, ob daraus gar eine neue Bürgerrechtsbewegung entsteht, darüber sprechen wir jetzt mit André Spiegel. Er ist Programmierer, Dozent und Verfechter eines solchen freien Zugangs zu freier Software und er hat auch ein Buch geschrieben, es heißt Die Befreiung der Information. Guten Tag Herr Spiegel. Den freien Zugang zu freier Software als Bürgerrechtsbewegung zu bezeichnen, ist das nicht ein bisschen hoch gehängt?

André Spiegel: Ich denke, das ist überhaupt nicht hoch gehängt, das ist ein sehr erhellender Moment, wenn man plötzlich anfängt, das Wort Konsument durch Bürger zu ersetzen. Wenn man einfach sagt, wir sind nicht von Geburt an Leute, die Informationen, die große Unternehmen herstellen, konsumieren, aufnehmen und nichts weiter dazu sagen sollen. Sondern wir sind, so sind unsere Gesellschaften aufgebaut, Bürger, die Rechte haben und selber Dinge tun wollen und nicht von Medien oder großen Konzernen gegängelt werden wollen.

Von Billerbeck: Wie organisiert sich denn so eine Bürgerrechtsbewegung in diesem Bereich?

Spiegel: Das ist eine ganz neue Art von Bürgerrechtsbewegung, weil sie eben mit dem Internet entstanden ist und das Internet bietet Kommunikationsmöglichkeiten, die es noch nie gegeben hat, wenn Sie an Mailinglisten, Chat-Kanäle, webbasierte Diskussionsforen denken. Auf diese Art und Weise kann man in Windeseile extrem viele Menschen zusammenbringen, um an irgendwelchen Projekten zu arbeiten.

Von Billerbeck: Welche Bedeutung hat denn offene Software über die Sphäre von Computer und Internet hinaus?

Spiegel: Naja, Software ist natürlich generell immer eine Computer-Angelegenheit, aber ich denke, dass die Freie-Software-Bewegung oder Open Source nur der erste Effekt ist, den die Computer auf unsere Gesellschaft gehabt haben.

Das gesamte Gespräch mit André Spiegel können Sie für begrenzte Zeit in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.


 
 

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