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03.05.2007
Da fanden ihn alle noch putzig.  (Bild: AP Archiv) Da fanden ihn alle noch putzig. (Bild: AP Archiv)

Knut ist immer weniger süß

Der Medienstar könnte vom Knuddel- zum Problembär werden

Von Tobias Wenzel

Die Knut-Euphorie ist nicht zu bremsen. Noch nicht. Denn die Zeit tickt gegen die Begeisterung. Seine Zähne sind da und damit die Vorahnung dessen, was Knut in naher Zukunft sein wird: ein ausgewachsenes Raubtier.

Im März klang sein Geschrei noch wie das einer Gans. Nur wenn er besonders lebhaft war, hätte man ihn auch mit einem Affen verwechseln können. Die Rede ist von Knut, der Attraktion des Berliner Zoos. Fünf Monate ist er jetzt alt und wird immer mehr zu dem, was er eigentlich ist: ein Eisbär. 18 Kilo wiegt er. Das Fell ist nicht mehr ganz so kuschelig und hat schon einen Gelbton angenommen. Die Zähne sind da und damit die Vorahnung dessen, was Knut in naher Zukunft sein wird: ein ausgewachsenes Raubtier.

Noch maximal drei Monate, so ein Tierarzt des Berliner Zoos, kann Pfleger und Ziehvater Thomas Dörflein in der Gegenwart Knuts verbringen. Dann wird es zu gefährlich. Schon jetzt schützt sich Dörflein mit Kleidung und Handschuhen vor den Bissen des gar nicht mehr so kleinen Eisbären.

Mit der nahenden Trennung von Pfleger und Eisbär finden auch wieder die kritischen Stimmen Gehör: "Eigentlich müsste der Zoo das Bärenbaby töten", hatte der Tierrechtler Frank Albrecht gesagt. Auch wenn andere Tierschützer nicht so weit gehen. Eine Meinung teilen sie fast alle: Gerade Eisbären gehören nicht in den Zoo. Ihr natürlicher Lebensraum ist so groß wie Italien, bemerkte der Gießener Professor für Tierschutz Hanno Würbel in der "Zeit". Würden Eisbären im Zoo gehalten oder gar mit der Flasche aufgezogen wie Knut, dann seien Verhaltensstörungen mehr als wahrscheinlich.

Von Menschen aufgezogen und geprägt werde der ausgewachsene Knut mit seinen Artgenossen nicht auskommen können, fürchten Tierschützer. Und mit dem Interesse der Menschen dürfte es dann auch vorbei sein: Wer interessiert sich schon für einen verhaltensgestörten ausgewachsenen Eisbären?

Das Gespräch zum Thema mit Josef Reichholf, Professor für Zoologie an der Zoologischen Sammlung München, können Sie für begrenzte Zeit in unserem Audio-on-Demand-Player hören.


 
 

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