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26.02.2008
Götz Aly, Historiker und Buchautor (Bild: Deutschlandradio - Bettina Straub) Götz Aly, Historiker und Buchautor (Bild: Deutschlandradio - Bettina Straub)

"Eine getriebene Generation"

Götz Aly über sein Buch "Unser Kampf 1968 - ein irritierter Blick zurück"

Zu den Thesen von Götz Alys umstrittenem Buch gehört, dass sich '33 in der Bewegung von '68 spiegele. Die Kinder, die ihre Eltern wegen der NS-Vergangenheit kritisierten, seien ihnen in ihren totalitären Gewaltfantasien ähnlicher gewesen, als sie wahrhaben wollten. Er wolle das in seinem Buch nicht moralisch bewerten, sondern zeigen, wie es zu '68 gekommen sei, betonte der Historiker im Gespräch.

Dabei setzt er sich in seinem Buch über die '68er auch mit seiner eigenen Geschichte auseinander. Als Student am Otto-Suhr-Institut der FU in Berlin habe er zwischen 1968 und '70 weniger studiert als revoltiert. Dabei räumt Aly auch eine Nähe zu terroristischen Bewegungen ein und eine Lust am politischen Regelverstoß.

Gesellschaften in Ländern wie USA, Frankreich, die zu den Gewinnern des Zweiten Weltkriegs zählen, hätten wesentlich "elastischer" auf die Studentenproteste reagiert und sie integriert. In den Ländern der sogenannten Achsenmächte Deutschland, Italien, Japan, die den Zweiten Weltkrieg dagegen mitbegonnen hätten, hätten die Proteste wesentlich länger angehalten und sei die Revolte sehr viel gewalttätiger verlaufen. Aus der Massenbewegung sei eine Massenhysterie und später "ein massenhaftes Erweckungserlebnis mit religiösen Zügen" geworden.

Aly erklärt dies mit der "moralischen Entleerung" dieser Gesellschaften nach dem Gewaltausbruch des Krieges. Die Väter der Söhne, die '68 protestieren, seien aus dem Krieg entweder gar nicht oder als gebrochene Männer ohne Wertekorsett in ihre Familien zurückgekehrt und waren nach '45 als Vorbilder wenig tauglich.

Aly: "Diese 68er waren eine getriebene Generation. Sie standen in einem generationellen Konflikt und waren mit einer Last beladen - nämlich den nationalsozialistischen Verbrechen, die sie gesehen, sich dann aber von ihnen abgewandt haben, die sie in diesem Moment nicht tragen konnten, und sie sind in einen dogmatischen Internationalismus, dass sie den deutschen romantischen Idealismus der Väter um 180 Grad in Richtung Sozialismus gedreht haben, ausgewichen. Sie sind geflohen aus diesem Väterland!"

Nach dem Auflösen der Bewegung ab 1975 seien aus der "glücklichen Niederlage" der Revolte von '68 für die weitere Geschichte der Bundesrepublik letztlich wieder produktive Elemente und Emanzipatorisches entstanden.

Sie können das vollständige Gespräch mindestens bis zum 26.7.08 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.


 
 

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