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26.05.2008
In der Gedenkstätte von Yad Vashem findet sich auch ein Teil der Kunst von Bruno Schulz.  (Bild: AP) In der Gedenkstätte von Yad Vashem findet sich auch ein Teil der Kunst von Bruno Schulz. (Bild: AP)

Erschossen auf offener Straße

Ein großer Teil des Lebenswerks des Schriftstellers Bruno Schulz ist verschollen

Von Carsten Hueck

Sein literarisches Werk ist schmal geblieben und hat doch die Welt erobert: Der Debutband "Die Zimtläden" von Bruno Schulz ist heute ein Klassiker der europäischen Moderne. Der Schriftsteller wurde 1942 von einem Gestapomann ermordet.

Bruno Schulz ist einer der einflussreichsten polnischen Schriftsteller. Übersetzt in sechsundzwanzig Sprachen, bewundert von Philip Roth, Primo Levi, John Updike und Tadeusz Kantor. Dabei war das Leben des Autors kurz, sein literarisches und zeichnerisches Werk ist schmal geblieben, ein großer Teil verschollen. Verschluckt vom Zweiten Weltkrieg. Von Tausenden Briefen, die Bruno Schulz geschrieben hat, sind 156 erhalten. Die Empfänger ermordet ebenso wie der Absender.

Geboren wurde Bruno Schulz 1892 in Drohobycz. Einer Provinzstadt in Galizien, das damals zur Habsburgermonarchie gehörte. Fast die Hälfte der 36.000 Einwohner sind Juden. Auch die Familie Schulz. Bruno hat einen Herzfehler, ist schwächlich, überempfindlich, aber früh schon künstlerisch und naturwissenschaftlich begabt. Nach einem Architekturstudium wird er in seiner Heimatstadt Kunst-und Werklehrer.

1934 erscheint sein Debütband "Die Zimtläden", heute ein Klassiker der europäischen Moderne. Durch ihn wird Schulz - neben Gombrowicz und Witkiewicz - zum Repräsentanten der polnischen literarischen Avantgarde. Seinen Brotberuf als Lehrer gibt der von Existenzängsten geplagte Dichter indes nie auf.

1941 wird Drohobycz von deutschen Truppen besetzt. Schulz, der als Österreicher geboren wurde, als Pole lebte, stirbt als Jude. Erschossen auf offener Straße, von einem Gestapomann, am 19. November 1942. Der Mörder ist bekannt. Und auch das letzte Kunstwerk von Bruno Schulz: Wandmalereien im Haus des ehemaligen SS-Judenreferenten in Drohobycz.

Sie wurden vor einigen Jahren entdeckt und in einer umstrittenen israelischen Kommandoaktion in die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem gebracht. Die Polen protestierten. Die Ukraine, auf deren Staatsgebiet Drohobycz heute liegt, legitimierte vor zwei Monaten nachträglich die Entführung der Malereien. Sie werden jetzt in Jerusalem als "Dauerleihgabe" zu sehen sein. Fernab von Drohobycz, das für Bruno Schulz Zentrum seines Lebens und künstlerischen Schaffens war.

Zu dem Thema finden Sie noch mindestens bis zum 26. Oktober 2008 auch ein Gespräch mit dem Journalisten Martin Sander in unserem Audio-on-Demand-Angebot. (MP3-Audio)


 
 

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