Zum Inhalt
Zur Deutschlandradio Kultur-Startseite
 
nach oben
17.06.2008
Das Archivbild zeigt den österreichischen Schriftsteller Josef Winkler in Klagenfurt. (Bild: AP Archiv) Das Archivbild zeigt den österreichischen Schriftsteller Josef Winkler in Klagenfurt. (Bild: AP Archiv)

Josef Winkler: Mit Schmerz auseinandersetzen

Büchner-Preisträger vergleicht seine Arbeit mit der eines Sportlers

Aufgabe seiner Literatur sei es, sich mit den Wunden der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen, sagt der österreichische Schriftsteller Josef Winkler. Er sei damit sehr weit gegangen und deshalb in seiner katholischen Heimat "ein Verfluchter". Seine Arbeit mit Sprache sei für ihn immer auch eine Auseinandersetzung mit der früheren Sprachlosigkeit.

Der neue Büchner-Preisträger Josef Winkler fühlt sich in seinem Heimatort Kamering in Kärnten als "Verfluchter". "Ich habe natürlich einiges zerstört", sagte Winkler am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Die Bevölkerung dort habe ihre eigenen katholischen Riten und wolle mit unangenehmen Dingen nichts zu tun haben.

Wenn sich etwa ein Jugendlicher das Leben genommen habe "und die Erde einmal auf ihm drauf ist", sei das Thema abgeschlossen. Aufgabe seiner Literatur sei es jedoch "sich mit diesen Wunden, mit diesem Schmerz auseinanderzusetzen". Er sei damit sehr weit gegangen. "Und jetzt schauen sich die Leute das an und sagen, es ist entsetzlich, es ist furchtbar - sie wollen damit nichts zu tun haben." Winkler: "Deswegen bin ich dort ein Verfluchter."

Inzwischen sehe er die Vergangenheit allerdings etwas distanzierter, sagte der Büchner-Preisträger. Er habe die Auseinandersetzungen seiner Kindheit und Jugend in mehreren Variationen dargelegt und damit gleichzeitig die Verzweiflung "'nieder-geschrieben' - also niedergehalten durch das Schreiben". Die Wut sei daher jetzt "zum Teil draußen". Er sehe das Ganze mittlerweile etwas sarkastischer und ironischer.

Seine Auseinandersetzung mit der Sprache sei für ihn immer auch eine "Auseinandersetzung mit der Sprachlosigkeit - mit der Angst in die damalige Sprachlosigkeit zurückzufallen". Dadurch entstehe ein Kampf, den er zu gewinnen versuche. "Man legt sich wie ein Stabhochspringer die Latte hoch. Und wenn man einmal bei 2 Meter drüber gekommen ist, dann will man da immer wieder drüber."

Sie können das vollständige Gespräch mit Josef Winkler mindestens bis zum 1.11.08 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.


 
 

Mehr zur Sendung:

Links bei dradio.de:

JETZT IM RADIO

Deutschlandradio Kultur

Seit 09:20 Uhr
Musik
Nächste Sendung: 09:30 Uhr
Kulturnachrichten

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandradio Kultur

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Thema

Der umstrittene Direktor des rumänischen Kulturinstitus räumt das Feld

Sendezeit: 18.06.2013, 16:08

"Jägerstätter" - die Geschichte eines österr. Widerständlers kommt auf die Bühne

Sendezeit: 18.06.2013, 15:09

Enttäuschung Obama? Wie amerikanische Intellektuelle zum Präsidenten stehen

Sendezeit: 18.06.2013, 14:09

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link