Der Nahostexperte und ehemalige Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Ramallah, Christian Sterzing, hat Israel eine "Strangulierungspolitik" gegenüber der Hamas vorgeworfen. Die Israelis hätten mit dieser Politik über Jahre hinweg die Radikalisierung im Gazastreifen forciert, sagte Sterzing.
Der Plan der Israelis sei gewesen, einen Keil zwischen die palästinensische Bevölkerung und die Hamas zu treiben, sagte Sterzing im Deutschlandradio Kultur. Dies sei aber nicht erreicht worden. "Die Frage ist (…), warum man es nie (…) mit Gesprächen versucht hat", sagte Sterzing.
Man dürfe die Hamas nicht als einen "monolithischen Block" betrachten, so der Nahostexperte. Es habe dort immer auch gesprächsbereite Gruppen und Flügel gegeben. "Die hat man (…) in den letzten Jahren nicht unterstützt, sondern man hat durch diese Politik die radikalen Elemente in dieser Hamas-Bewegung gestärkt", sagte Sterzing.
Die palästinensischen Gebiete seien seit Jahrzehnten besetzt oder würden belagert, kritisierte er. Es gebe kein Land in der Welt, in das die Europäische Union so viel Geld pro Kopf investiere wie in die palästinensischen Gebiete. Strukturell werde aber "mit dieser Unmenge von Geld" die Besatzung durch die Israelis nicht beendet, sondern vielmehr "gestützt", sagte Sterzing.
"Wir erhalten geradezu diese Besatzungsstrukturen aufrecht," kritisierte er. Allein die fehlende Bewegungsfreiheit der Palästinenser mache eine ökonomische Entwicklung der Gebiete unmöglich, betonte der Nahostexperte.
Das vollständige Interview mit Christian Sterzing können Sie mindestens bis zum 2. Juni 2009 in unserem Audio-on-demand-Angebot nachhören. (MP3-Audio)
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