Der marxistische Philosoph und Mitherausgebers der Zeitschrift "Argument", Wolfgang Fritz Haug, vermisst in der gegenwärtigen Krise klare Analysen kritischer Intellektueller. "Es gibt wenig zusammenhängende, wissenschaftlich gediegene Forschungen über die Bewegungsgesetze dieser unserer Gesellschaft", sagte Haug.
Das verführe die Politik zu kurzatmigen Rezepten, die "gewiss eines nicht machen werden: nämlich die Ursachendimension der Krise erreichen". Der Philosoph verwies dabei auf die Abwrackprämie für Autos.
Haug zufolge ist der Vorrat an Wissen, der bessere Vorhersagen über die Entwicklung einer Gesellschaft ermöglichen würde, "praktisch verkommen". Die Ursache dafür sieht der Philosoph im Neoliberalismus der vergangenen drei Jahrzehnte. Es sei zu der Zeit nicht mehr "in" gewesen, als klassischer Intellektueller mitzureden "über das, was alle angeht". Der Abbau des Allgemeinen in der Wirtschaft - von der Stromversorgung bis zu Krankenversorgung und Rente - sei begleitet gewesen vom "Abbau des Allgemeinen im Geistigen".
Die derzeitige Krise, so Haug, sei nicht durch einen "äußeren Schock hervorgerufen", sondern "hausgemacht". Deshalb müssten nun "strukturelle Erfindungen gemacht werden, um dem vorzubauen."
Doch die derzeit eingesetzten Mittel sind nach Ansicht Haugs die falschen: "Die Krise ist ausgebrochen im Kreditwesen. Wenn ich jetzt, statt das Kreditwesen an die Kandare zu nehmen, den Hauptakzent darauf setze, den Banken das Geld zu geben in der Hoffnung, dass dann dieses Kreditwesen wieder so funktioniert wie vorher, dann gehe ich sozusagen wieder auf Start - aber auf Start für die nächste Krise."
Das vollständige Gespräch mit Wolfgang Haug können Sie bis zum 6.9.2009 als
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