Der Österreicher Florian Kaps bietet gemeinsam mit Mitstreitern die letzten produzierten Polaroid-Filme im Internet an. Er hat auch einen Teil der 2008 geschlossenen Fabrik gekauft und hofft darauf, wieder Filme und später auch Kameras zu produzieren. Allerdings müssen sie einen neuen Namen dafür finden.
Liane von Billerbeck: Telefonisch bin ich jetzt mit Florian Kaps verbunden, der Wiener Sofortbild-Enthusiast hat die Restbestände der holländischen Firma aufgekauft und will nun neue Filme produzieren und irgendwann vielleicht sogar neue Kameras. Und das Ganze hat er selbstironisch "The Impossible Project", also "das unmögliche Projekt" genannt. Herr Kaps, ich grüße Sie!
Florian Kaps: Grüß Gott!
von Billerbeck: Was fasziniert Sie so an Polaroids?
Kaps: Am besten und am liebsten beschreib ich's mit der Magie von Polaroids, die eigentlich alle Menschen spüren, die mit diesem Medium in Kontakt kommen und wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass wir beide jetzt telefonieren. Polaroid lässt einfach niemanden kalt. Und selbst in der digitalen Welt gibt's immer mehr Leute, die dieser Faszination erliegen. Und ich bin einer von diesen.
von Billerbeck: Wann sind Sie das erste Mal auf Polaroids gestoßen oder wann haben Sie das erste Mal ein solches Bild selber gemacht?
Kaps: Das war relativ spät, es war im Jahr 2004, und ich war auf der Suche nach dem analogsten Medium, das verfügbar war zu dieser Zeit, und bin dann auf Polaroid gestoßen und habe über eBay meine erste SX-70-Kamera bestellt. Und wie ich die bekommen habe, war ein Film in dieser Kamera noch drin, ein ganz alter Film. Das heißt, ich hab dann den Auslöser gedrückt, dann hat man dieses charakteristische Geräusch gehört, und da war mein erstes eigenes Polaroid. Und das war so beeindruckend, dass ich beschlossen habe, dieser Sache, diesem Medium meine ganze Aufmerksamkeit zu widmen.
von Billerbeck: Was war denn auf dem Bild drauf?
Kaps: Nicht viel. Also das war schon eines der wichtigsten Lehrstunden gleich am Anfang. Man muss nicht unbedingt immer gleich erkennen, was es ist. Das Wesentliche, das Faszinierende ist, dass man zuschauen kann, wie es sich entwickelt. Dass sich zuerst diese Schemen zeigen und dann nach und nach mit teilweise merkwürdigen Farben - und die Farben waren sehr merkwürdig, weil es eben ein sehr lang abgelaufener Film war - beginnen sich Konturen, Bilder, Muster zu entwickeln. Und es war, wenn ich mich recht erinnere, waren Teile meines Gesichts und des Hintergrunds zu sehen, total unscharf, weil eben nicht fokussiert wurde, aber trotzdem schon ein sehr faszinierendes Ergebnis.
von Billerbeck: Das heißt, Sie haben die Kamera erst mal umgedreht und auf Ihr eigenes Gesicht gehalten?
Kaps: Genau, das war der erste Testversuch.
von Billerbeck: Nun gab's sogar berühmte Leute wie den Filmregisseur Andrei Tarkowski, der Polaroids gemacht hat, ein ganzes Buch ist daraus erschienen, oder die Berliner Fotografin Sibylle Bergemann. Sammeln Sie auch solche Polaroids von berühmten Polaroid-Fotografen?
Kaps: Ja, wir sammeln nicht nur von berühmten, sondern eigentlich von allen Polaroid-Fotografen, die uns über den Weg laufen, vor allem von jungen Leuten, die jetzt beginnen in der digitalen Welt, dieses Medium für sich zu entdecken. Weil diejenigen Leute sind es, die das moderne Gesicht der Polaroid-Fotografie mit definieren. Und es war eigentlich von Anbeginn von Polaroid ja so, dass Polaroid sehr eng mit den damalig interessantesten Künstlern zusammengearbeitet haben. So ist ja die berühme Polaroid Collection entstanden, wo von Andy Warhol bis Ansel Adams alle Leute, die damals fotografisch tätig waren, mit Polaroid gearbeitet haben und ihre Interpretation von dem Medium abgeliefert haben.
von Billerbeck: Ganz anders als bei Digitalkameras muss man sich ja bei einem Polaroid-Foto sehr genau überlegen, welches Motiv da drauf sein soll. Erstens sind die Filme ja teuer gewesen, also jedes einzelne Bild ist teuer und man kann da nicht Hunderte verballern. Nun ist aber die Fabrik 2008 geschlossen worden, wo diese Filme hergestellt wurden. Wo bekommt man sie jetzt?
Kaps: Sie haben recht, es ist sehr teuer und man muss sich sehr genau überlegen, was man für ein Bild macht. Und das ist eigentlich eins der größten Vorteile überraschenderweise, weil im digitalen Zeitalter die Leute sehnen sich fast wieder nach einer Wertigkeit von einem Bild. Und ein Polaroid ist eben sehr teuer. Wo man's bekommen kann, ist leicht zu beantworten. Auf der einen Seite bei uns noch, pola-premium.com, wo wir die letzten produzierten 500.000 Stück weltweit verfügbar machen, auf der anderen Seite hoffentlich auch in Kürze - und Kürze heißt ab Beginn 2010 - auch wieder von der Fabrik, die bis hoffentlich dann wieder neue Polaroid-Filme herstellen wird können.
von Billerbeck: Sie haben Teile dieser Polaroid-Fabrik gekauft. Wann wurde dann die Idee geboren, das Sofortbild zu retten?
Kaps: Ja, die Idee ist schon sehr, sehr alt. Also seitdem wir begonnen haben, uns mit dem Thema zu beschäftigen, und gemerkt haben, dass zwar sehr viele Leute aufhören, Polaroids zu verwenden, aber auf der anderen Seite auch sehr viele junge Leute wieder beginnen, sich für dieses Medium zu faszinieren, seit damals ist eigentlich immer die Frage im Raum geschwebt: Können wir das retten, können wir verhindern, dass Polaroid sich von dieser Technik, von diesem Medium abwendet? Es war kein Geheimnis, dass Polaroid sich aus diesem Bereich zurückziehen wird. Und es war aber nie von Erfolg getragen, diese Überlegungen und diese Gespräche, weil es einfach wirklich unmöglich war oder unmöglich erschienen ist. Und erst in letzter Minute eigentlich durch eine Verkettung glücklicher Zufälle hat sich wieder eine Chance eröffnet, diese Fabrik wirklich am Leben zu halten und einen Teil davon, wie Sie richtig gesagt haben, dazu zu verwenden, um mit einem kleinen Team das Unmögliche möglich zu machen. Und dann ist eigentlich alles innerhalb von Wochen entschieden worden Mitte des letzten Jahres.
von Billerbeck: Bei dem Team sind lauter Ingenieure dabei, die gestandene Männer sind, manche sehen schon recht kahl aus, die sind also weit jenseits der 30. Sie sind ein relativ junger Mann, wie haben Sie die überzeugt zur Mitarbeit und wo haben Sie das Geld dafür bekommen, um Teile dieser Fabrik zu kaufen?
Kaps: Also die Leute mussten eigentlich nicht überzeugt werden. Ich glaube, das Durchschnittsalter von dem Team ist 56 Jahre. Das sind alles Leute, die eigentlich ihr Leben lang in der Polaroid-Fabrik damit beschäftigt waren, dieses Material, das sie geliebt haben, zu erzeugen und zu verkaufen. Das heißt, die haben nie den Glauben an dieses Material verloren und waren dann nur allzu schnell bereit, diese Chance zu ergreifen und gegen die Entscheidung des Konzerns diesem Medium eine neue Chance zu geben. Das Geld ist genauso eine interessante Geschichte, weil es eigentlich relativ leicht war, doch relativ große Summen, die nötig waren, um diese Fabrik nicht nur zu kaufen, sondern eben auch zu beheizen, die Maschinen zu warten, das war relativ leicht aufzutreiben, weil wieder diese Magie des Polaroids dazu geführt hat, dass die Leute relativ schnell, auch Geldgeber, potenzielle Geldgeber von dieser Geschichte fasziniert waren und eigentlich mithelfen wollten, dass dieses Medium nicht in Vergessenheit gerät.
von Billerbeck: Der Name Polaroid ist ja geschützt, wie wird denn Ihr Kind künftig heißen?
Kaps: Das ist eine sehr gute Frage, die ich Ihnen momentan noch nicht beantworten kann, vor allem auch deswegen, weil Polaroid vor wenigen Wochen einen neuen Eigentümer bekommen hat in der USA und wir momentan gerade in Gesprächen sind mit diesem neuen Eigentümer, wie dieses Produkt, das wir jetzt produzieren wollen, zusammenhängen kann mit dem Namen Polaroid, der ja eigentlich untrennbar mit dem zusammenhängt, was wir hier probieren, auf der anderen Seite aber damals, wie wir die Fabrik gekauft haben, ganz klar war oder wir klar unterschreiben mussten, dass wir nicht Polaroid-Film wieder erfinden wollen, sondern einen Sofortbildfilm, weil es ja markenrechtlich doch ein sehr heikles Thema ist.
von Billerbeck: Florian Kaps war das, der mit seinen Mitstreitern das Sofortbild retten will. Ich danke Ihnen für das Gespräch!
Kaps: Bitte, gerne!
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