Manchem hartnäckigen Widersacher kommt ja die ganze Wagnersche Musik wie ein schlechter Budenzauber vor. Gerald Felber geht es bei der letzten Station unseres Wagner-Alphabets um handfesterere Dinge. Er beginnt mit einem Ausschnitt aus dem Lohengrin.
Lohengrins tränenschwerer Abschied am Ende von Richard Wagners gleichnamiger Oper. Was der Held so etwas rätselhaft von einem verschwundenen Bruder dahersingt, erfährt seine Auflösung einige Minuten später, wenn eben dieser Totgeglaubte dem weißen Gefieder jenes Schwans entsteigt, mit dem der Ritter bisher zu seinen Rettungsmissionen über die Flüsse und Meere schipperte. In diese zwar ganz attraktive, aber doch nicht richtig regierungsfähige Gestalt hatte ihn nämlich die heidnische Zauberin Ortrud verwandelt, die samt ihrem Gemahl Telramund selbst nach der Herrschaft im Königreich Brabant gierte. Am Ende geht es also wieder einmal um nichts als Politik und Macht.
Fairerweise muss man allerdings sagen, dass sich in Wagners Opern nicht nur die Frauenwelt fieser Tricks bedient, um zum Ziele zu gelangen. Der Tarnhelm zum Beispiel, sozusagen ein Bilderbuch-Zauberrequisit, wird im "Ring des Nibelungen", der auch sonst noch ein ganzes Arsenal von Beschwörungsszenen und übernatürlichen Vorgängen enthält, ausschließlich von Männern genutzt, und das meist zu unheilvollen Zwecken. Seinem ideellen Erfinder Alberich allerdings, der sich in kindlicher Renommiersucht mit Hilfe des Zauberhelms erst in einen Riesenwurm und dann in eine Kröte verwandelt - was von Wagner mit höchst liebevollem Naturalismus verklanglicht wird - fällt genau diese relativ harmlose Übung auf die kleinen Patschefüße, weil er dabei in eben dieser Krötengestalt von den listigen Göttern Wotan und Loge überrumpelt und gefangen gesetzt wird.
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Wagner A-Z - ZAUBEREI
Sendezeit: 31.05.2013 23:10
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