Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Schlacht von Stalingrad im heutigen Wolgograd (Bild: picture alliance / dpa /Kirill Braga)
Lenin, Stalin, der Vaterländische Krieg: In Russland herrscht eine uns rätselhafte Heldenverehrung. Umfragen zeigen, dass 49 Prozent der Russen Stalin für eine positive Figur halten. Indem Größe und Macht (Sowjet-)Russlands idealisiert werden, werden autoritäre Herrschaftsprinzipien legitimiert.
Panzer auf dem Roten Platz, Lenin im Schneewittchen-Sarg, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei huldigt Stalin. In Wolgograd wollen alte Menschen die Stadt zurückbenennen:"Stalingrad ist bekannt, Wolgograd nicht", sagt Vladimir Ananjew, 90 Jahre und Vorsitzender der lokalen Veteranenvereinigung. "Wir verstecken unsere ruhmreiche Geschichte und die Heldentaten."
Dmitrij Rogosin, der stellvertretende Premierminister, unterstützt das Vorhaben. Umfragen zufolge sind 49 Prozent der Russen der Meinung, dass Stalin eine positive Rolle in der russischen Geschichte gespielt habe, fast ein Fünftel hält seinen Tod für den Verlust eines großen Führers und Lehrers. Alle wissen um den Terror der Sowjetunion, doch Aufarbeitung findet nicht statt. "Man muss Geschichte lieben", sagt Dmitrij, Doktorand der Mathematik aus Novosibirsk. "Ich werde die Heldentaten nicht in Frage stellen."
So wird auch der Sieg im "Vaterländischen Krieg" 1945 gefeiert, ohne danach zu fragen, welche vermeidbaren und sinnlosen Opfer Stalin seinem eigenen Volk zumutete. In Russland ist ein uns fremdes Verhältnis zur Geschichte noch sehr verbreitet: Statt sich ihr fragend zu nähern, verneigt man sich lieber vor vergangener Größe und Macht (Sowjet-) Russlands - und schafft so die Legitimation für neue autoritäre Herrschaft.
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Helden und Heilige - Russlands umgang mit der Geschichte
Sendezeit: 08.05.2013 19:30
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