Nach der Blockupy-Demonstration am letzten Samstag in Frankfurt sind bei der Deutschen Journalistenunion mehrere Beschwerden wegen Übergriffen eingegangen. Bei einer Pressekonferenz der Polizei warfen zudem etliche Berichterstatter den Beamten vor, sie hätten Journalisten mit Gewalt an der Arbeit gehindert. So erklärte ein RTL-Reporter, dass seinem Kameramann ein Bein gestellt worden sei. Ein Fotograf berichtete, ihm sei die Halsschlagader abgedrückt worden. Zwei Journalisten wurden laut dju-Angaben ins Krankenhaus eingeliefert. Der Dokumentarfilmer Martin Keßler hatte Mühe, sich überhaupt einen Überblick über die Lage zu verschaffen, obwohl er sich bei den Einsatzkräften beschwert hatte.
"Ja, da wurde mir einfach ziemlich rüde von der Polizeibeamtin gesagt: Einfach mal Klappe halten! Ich hab ja viele Filmprojekte gemacht über soziale Proteste, ob das Heiligendamm war, die Studentenproteste und anderswo. Natürlich sieht man immer, dass es eine Strategie noch ist, bestimmte Bilder nicht zu haben oder bestimmte Situationen eben nicht so zu sehen, aber hier war das wirklich auch so, dass man massiver behindert wurde. Ich hab gottseidank keine Gewalt erfahren, aber es hat eben auch Journalisten gegeben, die entsprechend da eins auf die Mütze gekriegt haben."
Im Gespräch mit Markt und Medien zeigte sich Keßler verwundert darüber, dass vor allem das Hessische Fernsehen die Übergriffe der Polizei sowohl gegen Journalisten als auch Demonstranten kaum thematisiert habe.
"Und was ich als Journalist nicht ganz nachvollziehen kann, ist: Wenn man jetzt z.B. über die Proteste in der Türkei berichtet, dann wird gesagt: Das ist Ausdruck einer lebendigen Demokratie. Wenn man aber sieht, wie massiv diese Auseinandersetzungen sind, dass auch die Demonstranten Barrikaden bauen, mit Steinen werfen, usw. Das wird gar nicht als Gewalt thematisiert. Und hier ist eine Menge, die ist zum Teil vermummt gewesen, die haben Sonnenbrillen getragen, die haben Regenschirme getragen und die haben Styroporschilder gehabt, auf denen sie irgendwelche Parolen hatten und dann sind dann drei bengalische Feuer gezündet worden und das rechtfertigt dann diesen ganzen Einsatz und diese Gewalt. Da wird doch sehr mit zweierlei Maß gemessen und das gibt mir einfach zu denken. Und was ich auch problematisch finde: wenn das in der breiten Öffentlichkeit nicht thematisiert wird."
Der Hessische Rundfunk bezeichnete auf Nachfrage den Vorwurf Keßlers als übertrieben. Vor allem für seine Berichterstattung im Hörfunk und Online sei der HR sogar ausdrücklich von Teilnehmern der Demonstration gelobt worden.
(Quelle: )
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Markt und Medien
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Sendezeit: 15.06.2013, 17:19
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