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Dossier  07.11.2008 · 19:15 Uhr
Ein in der Zeitschrift "Science" veröffentlichtes Foto zeigt den Lauf-Roboter Cornell. Er ahmt den Gang eines Menschen nach (Bild: AP) Ein in der Zeitschrift "Science" veröffentlichtes Foto zeigt den Lauf-Roboter Cornell. Er ahmt den Gang eines Menschen nach (Bild: AP)

Vorwärts über die Rückkopplungsschleife

Der stille Siegeszug der Kybernetik

Von Bernd Schuh

Als Brücke zwischen den Wissenschaften wurde sie bezeichnet, als Motor der Automation; geistige Arbeit sollte sie auf Maschinen übertragen, im Umfeld der Künstlichen Intelligenz war sie en vogue. Geradezu euphorisch wurde in den sechziger und siebziger Jahren über Kybernetik berichtet. Science Fiction Phantasien wie Cyborgs - künstliche Menschen - speisten sich aus solchen Ideen, Visionen von neuen Kommunikationssystemen und Medienräumen mündeten schließlich im Cyberspace.

Wortschöpfer und Vordenker Norbert Wiener hatte das Forschungsfeld Ende 1948 diffus definiert, als Lehre von der "Steuerung und Kommunikation im Lebewesen und der Maschine". So wurde auch der Mensch zur komplizierten, aber erklärbaren Maschine aus "Black boxes", Filtern und rückgekoppelten Regelkreisen - vom aufrechten Gang bis zum (automatischen) Griff nach der Zigarette. Dieser Ansatz lebt bis heute in der Grundlagenausbildung von Biologiestudenten und in biokybernetischen Methoden in Psychologie und Physiologie fort.

Biochemiker und Sachbuchautor Frederic Vester sah 25 Jahre nach Wiener ein "Kybernetisches Zeitalter" anbrechen und begriff die ganze Welt als "vernetztes System". Folgerichtig werden mittlerweile auch Klimakatastrophe, Terrorbekämpfung und Unternehmensmanagement mit Methoden angegangen, die als "systemisches Denken" in "vernetzten Systemen" die alten Grundlehren der Kybernetik beherbergen: Wer überleben will, muss Folgen und Rückwirkungen, Einflussfaktoren und Auswirkungen langfristig und im Zusammenhang berücksichtigen. Lineares Denken führt letztendlich immer zum Absturz.

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