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Forschung Aktuell  07.09.2010 · 16:35 Uhr
Crailsheim in der Zukunft - Postkarte von 1905 (Bild: Verlag E. Rollwagen, Crailsheim) Crailsheim in der Zukunft - Postkarte von 1905 (Bild: Verlag E. Rollwagen, Crailsheim)

Rückblicke auf die Zukunft

Was ist aus technischen Utopien der letzten 100 Jahre geworden?

Von Frank Grotelüschen

Wie wird sie bloß - die Zukunft? Diese Frage hat die Menschheit seit Ewigkeiten fasziniert. Manche fürchten sich vor ihr, andere schmieden die wildesten Visionen und träumen von Technologien, die die Welt revolutionieren werden. 1910 erschien dazu ein hochinteressantes Buch: In "Die Welt in 100 Jahren" sannen die Visionäre des noch frischen 20. Jahrhunderts darüber nach, wie die Erde anno 2010 aussehen könnte.

Manches haben die Utopisten damals durchaus treffend vorausgesehen. Etwa das "Telefon in der Westentasche", das heute in der Tat zur Grundausrüstung des Bundesbürgers gehört - sei es als schlichtes Handy, sei es als omnipotentes Smartphone. Mit anderen Visionen dagegen lagen die Visionäre von einst völlig daneben. So war sich vor Jahrzehnten mancher Experte sicher gewesen, dass unsere Autos heute nicht mehr nur auf Straßen fahren, sondern schnell und elegant durch die Lüfte fliegen. Das erste Flugauto soll nun erstmals 2011 zu einem Preis von etwa 200.000 Dollar ausgeliefert werden.

Nicht besser erging es vielen anderen Prophezeiungen: dem Frachter mit Atomantrieb, der unabhängig vom Öl die Weltmeere gefahren sollte. Der Hochgeschwindigkeitszug mit Düsentriebwerk, der seine Gäste schneller als jede Elektrolok von Metropole zu Metropole befördern konnte. Und dem Kraftwerk in der Antarktis, das seinen Strom aus dem Temperaturunterschied zwischen Wasser und Luft gewinnen sollte.

Ab 13. Juli nimmt "Forschung aktuell" jeweils dienstags insgesamt neun Utopien vergangener Zeiten genauer unter die Lupe. Was hatten sich Forscher und Ingenieure einst erträumt, warum sind viele ihrer Visionen gescheitert? Oder gibt es auch heute noch Unentwegte, die nach wie vor an die Utopien von damals glauben und in ihren Labors unverzagt weitertüfteln.

Die Themen

13. Juli 2010: Das fliegende Auto

Einst dachte man, wir würden uns heute mit Autos durch die Gegend bewegen, die nicht nur fahren können, sondern auch fliegen. Auch wenn die Vision aus diversen Gründen bislang kläglich scheitert - einige unverzagte Ingenieure arbeiten noch heute an dieser Vision. Das erste Flugauto soll nun erstmals 2011 zu einem Preis von etwa 200.000 Dollar ausgeliefert werden.


20. Juli 2010: Leben und Arbeiten unter Wasser

Unter Wasser bleibt weiterhin verschlossen. (Bild: USGS)

Unter Wasser bleibt weiterhin verschlossen. (Bild: USGS)

Der Mensch hat alle Kontinente besiedelt, warum nicht auch das Meer? So jedenfalls dachten die Vergangenheit nicht weniger Forscher und Ingenieure, etwa der legendäre Jacques Cousteau. Die Vision: regelrechte Unterwasser-Bauernhöfe, in denen Tauch-Bauern leben, um dadurch das Ernährungsproblem der Menschheit zu bekämpfen. Doch die Vision floppte, heute gibt es nicht einmal mehr ständig besetzte Forschungsstationen am Meeresgrund. Allerdings plant ein Luxushotel, demnächst einen unterseeischen Ableger nahe den Fidschi-Inseln ins Wasser zu setzen.


27. Juli 2010: Autos und Schiffe mit Atomantrieb

Das deutsche atomgetriebene Schiff "Otto Hahn" vor Kapstadt und dem Tafelberg. (Bild: GKSS)

Das deutsche atomgetriebene Schiff "Otto Hahn" vor Kapstadt und dem Tafelberg. (Bild: GKSS)

Als in den fünfziger Jahren die ersten Atomkraftwerke gebaut wurden, war die Euphorie groß: Man sah in der Atomkraft die Energiequelle der Zukunft, nicht nur gut für die Stromerzeugung. Auch Autos und Schiffe und sogar Flugzeuge sollten eines Tages mit einem Nuklearantrieb ausgerüstet werden. Deutschland baute den Atomfrachter "Otto Hahn", manche Autohersteller wie Ford oder Simca arbeiteten an Studien für ein Atomauto. Doch die "Otto Hahn" wurde wieder abgewrackt, und die Atomautos wurden nie gebaut.

3. August 2010: Solarkraftwerke im All

Solarfarm im Orbit (Bild: National Space Society)

Solarfarm im Orbit (Bild: National Space Society)

Solarzellen habe gleich zwei Probleme. Nachts fallen sie aus und bei Bewölkung geht ihre Ausbeute drastisch in die Knie. Diese Einschränkungen gibt es im Weltall nicht: Also träumten US-Forscher in den 60er und 70er Jahren davon, riesige Areale von Solarzellen im Orbit zu stationieren und deren geballte Energie als Mikrowellenstrahlen nach unten zu beamen. Die Vision harrt immer noch der Realisierung, aber manche, wie die japanische Raumfahrtagentur Jaxa halten ihr die Treue: Bis 2030 will die Behörde ein großes Solar-Array im Orbit stationieren.



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