Ein frecher Dämon war im Mittelalter für die Langeweile verantwortlich. Des Mittags, so hieß es, falle er über die Menschen her und verführe sie zu Trägheit, Überdruss und, schlimmste aller Sünden, zur Gottlosigkeit. Heute sind die Zeiten gottloser als im Mittelalter, aber noch immer fürchten die Menschen die Langeweile wie den Leibhaftigen. Sie vertreiben sie nach Kräften, und in jeder freien Minute werden sie darin von der Freizeitindustrie unterstützt.
"Gegen Langeweile" ist ein zentrales Verkaufsargument, "langweilig" eine Eigenschaft, die Menschen, Dinge, Tätigkeiten sofort disqualifiziert. Langeweile passt nicht zum modernen, beschleunigten Weltenlauf. Sie enthält die Drohung von Stillstand, Unproduktivität, Depression. Und vielleicht auch von Freiheit. "Die Langeweile ist die Schwelle zu großen Taten", meinte Walter Benjamin. Sie konfrontiert den Menschen mit der Forderung, aus sich heraus Sinn zu schaffen.
Langeweile - Fluch oder Versprechen? Das Feature erkundet ein alltägliches und zweideutiges Gefühl.
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