Wer an Jazz aus Norwegen denkt, mag an elegische Saxofone, ätherische Trompeten, lautmalende Stimmen oder lärmende Elektronik denken - aber wohl kaum an Geigen. Dabei kann das Land der Fjorde auf eine der reichsten Fiedel-Traditionen verweisen. Vor allem im Südwesten hat die "Hardangerfiedel" eine lange Geschichte.
Ola Kvernberg kennt sie bestens: Sein Großvater war einer der bekanntesten Fiedler und Volksmusik-Komponisten des Landes. Geige spielen auch Olas Mutter und seine Schwester, mit der er gerade ein Konzert-Tribut an die berühmten Vorfahren verwirklicht hat. Kvernberg gehört mittlerweile zur Crème des norwegischen Jazz. Mit dem Hot Club de Norvege pflegt er Gypsy Swing, mit dem Ingebrikt Haker Flaken Quintett brodelnden Powerjazz, mit dem Bassisten Steinar Raknes coolen Kammerjazz. Für den Herbst sind Aufnahmen mit dem Akkordeonisten und Banjo-Virtuosen Stian Carstensen geplant, eine wilde Melange aus Jazz, Polka und Hillbillie. Kvernberg schrieb die Musik für das bei der diesjährigen Berlinale ausgezeichnete "antidepressive off-road movie" North. Sein eigenes Trio verschmelzt auf eher leise Weise Folktraditionen mit zeitgenössischem Jazz. Der Bogen vom Gestern ins Heute ist hier durchaus auch wörtlich zu nehmen: Denn gelegentlich spielt Ola Kvernberg seine elektrisch verfremdete, häufig wie eine Bratsche klingende Geige mit einem Fiedel-Bogen.
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