"Frankreich allein hat ein Paris, eine Stadt, in der die europäische Civilisation zu ihrer vollsten Blüte sich entfaltet hat und von der in gemessenen Zeiträumen die elektrischen Schläge ausgehn, unter denen eine ganze Welt erbebt", schrieb Friedrich Engels. Paris galt als die rebellische Stadt schlechthin.
Ausgangsort und Schauplatz von Revolten und Revolutionen war bis Mitte des 19. Jahrhunderts oft genug "La Rue", die Straße. Das änderte sich mit dem Umbau von Paris, der mit dem Namen des Präfekten Haussmann verbunden wird.
Embellissement stratégique: eine Verschönerung auch in strategischer Absicht. Die wie Schneisen angelegten Boulevards sollten den Barrikadenbau verhindern und der Artillerie freies Schussfeld bieten. Haussmann war es auch, der 1860 die letzte Erweiterung der Pariser Stadtgrenzen vornahm.
Seither wurde daran nie mehr gerührt. Was die Ausmaße betrifft, ist Paris neunmal kleiner als Berlin: intra muros leben 2,2 Millionen Menschen, in der Banlieue, den Vorstädten jenseits des Boulevard Périphérique, einer ringförmigen Stadtautobahn, sind es zehn Millionen.
Ein Zustand, der Paris zu einer Ausnahme unter den Weltstädten macht und der sich heute als dysfunktional erweist. Nun endlich soll eine Fusion erfolgen, ein Groß-Paris geschaffen werden. Le Grand Paris, ein überfälliger Bruch mit der Abgrenzung, oder nur ein weiterer Versuch, die einstige Hauptstadt der Revolution zu schleifen, die Unerwünschten und Überflüssigen der spätkapitalistischen Gesellschaft noch weiter an den Rand zu drängen?
Eine "Lange Nacht" über alte und neue öffentliche Räume in der einstigen Hauptstadt der Revolution.
Beiträge zum Nachhören
Deutschlandfunk
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Bewährungsprobe für Thomas de Maiziere
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