Zum Inhalt
Zur Deutschlandfunk-Startseite
 
nach oben
PROGRAMMTIPP DEUTSCHLANDFUNK
 
Lesezeit  06.04.2005 · 20:30
Der Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975) (Bild: Christa Donner) Der Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975) (Bild: Christa Donner)

In memoriam Rolf Dieter Brinkmann

Vor 65 Jahren wurde er geboren; vor 30 Jahren, am 23. April 1975, in London von einem Auto überfahren: Rolf Dieter Brinkmann. Geboren in Vechta am 16. April 1940, entwickelte er sich nach einer abgebrochenen Lehre zum Finanzbeamten in Oldenburg und einer Buchhändlerlehre in Essen in den sechziger Jahren zu einem der innovativsten und, gemessen an seinen literarischen Motiven und seiner literarischen Ästhetik, radikalsten deutschen Schriftsteller seiner Zeit. Zunächst nur von Anhängern einer aufbrechenden "Pop-Kultur" verehrt, wird er heute von der Kritik wie von der Germanistik, vom Buchhandel wie von seinen Lesern zu den Ausnahmeerscheinungen in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts gezählt. 1962 erschien eine erste Erzählung in der von Dieter Wellershoff, damals Lektor im Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch, herausgegebenen Anthologie "Ein Tag in der Stadt". Die Stadt, die er liebte und hasste, war Köln.

Hellwach, geradezu wahrnehmungsgierig zog er durch die Straßen der Stadt. Als trüge er ständig eine Kamera mit sich notierte er alles, was ihm auffiel. Brinkmanns stark rhythmisierte, filmische Prosa der sechziger Jahren ist geprägt von flirrenden Bildern, harten Schnitten und wüsten inneren Monologen. Als im Frühjahr 1965 der Erzählungsband "Die Umarmung" erschien, stand der ansonsten gegenüber Pop-Literatur eher resistente Kritiker Marcel Reich-Ranicki in der "Zeit" zur "verblüffenden Suggestivkraft", die Brinkmann Texte auch auf ihn ausübten. Nach der Lektüre von Brinkmanns erstem und einzigem Roman "Keiner weiß mehr" (1965) versuchte sich Karl-Heinz Bohrer in der FAZ in einer langen Rezension die "monomanische Intensität" dieses Textes zu erklären.

Der früh Vater gewordene, von Zeitgenossen als überaus nervös geschilderte Schriftsteller litt ständig unter Geldnot und Existenzangst. Nicht zuletzt deshalb suchte er immer wieder das in unmittelbarer Nähe zum Verlag Kiepenheuer & Witsch liegende Funkhaus des Deutschlandfunk auf, um dort mit neuen, noch unveröffentlichten Texten in der Literatur-Redaktion vorstellig zu werden. So kam es zu den vier Lesungen, die anlässlich des Geburts- und Todestages Rolf Dieter Brinkmanns in diesem Monat an jedem Mittwoch, jeweils um 20.30 Uhr, wiederholt werden.

Am 6. April ist die Erzählung "Lesestück" aus dem Erzählband "Die Umarmung" zu hören (Erstsendung 25.4.1965), am 13. April die vom Deutschlandfunk in Auftrag gegebene, aus einem einzigen, 16 Minuten und 55 Sekunden langen Satz bestehende Ortsbesichtigung des Piccadilly Circus in London (Erstsendung 4.3.1966), am 20 April die Erzählung "Ein Vorfall" aus dem Erzählungsband "Raupenbahn" (Erstsendung: 22.5.66) und am 27. April ein Ausschnitt aus dem Roman "Keiner weiß mehr" (Erstsendung 27.4.67). Wie kein anderes Buch jener Zeit handelt er vom Lebensgefühl einer hysterischen jungen Generation zwischen Rausch und Langeweile, Kino, Pop und Kommerz. Mit einer vorher nie dagewesenen Vehemenz wird die grelle Wirkung von Beat, Film, Mode und anderen Verführungen des Großstadtlebens auf die Psyche und das Verhalten des Einzelnen beschrieben.

Sendetermine:


Mi., 6. April 2005
In memoriam Rolf Dieter Brinkmann (1)
Rolf Dieter Brinkmann liest: Das Lesestück
(Erstsendung am 25.April 1965)

Mi., 13. April 2005
In memoriam Rolf Dieter Brinkmann (2)
Rolf Dieter Brinkmann liest: Straßen und Plätze: London
(Erstsendung am 4. März 1966)

Mi., 20 April 2005
In memoriam Rolf Dieter Brinkmann (3)
Rolf Dieter Brinkmann liest: Ein Vorfall
(Erstsendung am 22. Mai 1966)

Mi., 27. April 2005
In memoriam Rolf Dieter Brinkmann (4)
Rolf Dieter Brinkmann liest: Keiner weiß mehr
(Erstsendung am 21. November 1967)

JETZT IM RADIO

Deutschlandfunk

Seit 23:00 Uhr
Nachrichten
Nächste Sendung: 23:05 Uhr
Lange Nacht

mehr

LIVE-STREAM

Deutschlandfunk

Dokumente und Debatten mehr

AUDIO ON DEMAND

Beiträge zum Nachhören

Deutschlandfunk

Nachwuchs-Radprofi Marcel Kittel und die Erfurter Blutaffäre

Sendezeit: 11.02.2012, 19:53

Muss Jan Ullrich jetzt zahlen? Interview mit Sportrechtler Dr. Marius Breucker

Sendezeit: 11.02.2012, 19:48

Interview Moritz Küpper -Wie gut sind Polen und die Ukraine für die EM gerüstet?

Sendezeit: 11.02.2012, 19:32

PODCAST

Radio zum Mitnehmen

Podcast: Sendungen

Podcast: Themen

PLAYER / RECORDER

dradio-Recorder
im Beta-Test:

 

KOOPERATIONSPARTNER

ARD-Logo und Link  ZDF-Logo und Link  Phoenix-Logo und Link