Wolfgang Leonhard, Politologe und Publizist, während einer Diskussion in Stralsund am 28.11.1995. (Bild: picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
"Meine Pläne? Ich bin ein Wrack, geistig und physisch. Ich wäre froh, wenn ich irgendwo eine ganz kleine bescheidene Anstellung finden könnte, um nicht auf Almosen angewiesen zu sein." 1949, sie ist 54 Jahre alt, schreibt Susanne Leonhard dies einer Freundin.
Mitte der 50er-Jahre publiziert sie einen der beeindruckendsten Berichte über die sowjetischen Haftlager. Beinahe zeitgleich erscheint das Buch ihres Sohnes Wolfgang, "Die Revolution entlässt ihre Kinder", über dessen Erfahrungen in der Sowjetunion.
Die Mutter im Gulag, der Sohn auf der Kaderschule. Nach zwölf Jahren treffen sie sich 1948 in Ostberlin wieder. Menschliche Entfremdung und politische Disharmonien sind unverkennbar.
Letztlich fliehen beide auf verschiedenen Wegen in den Westen.
Dort angekommen, wird Susanne Leonhard von den Amerikanern unter Spionageverdacht sechs Monate interniert.
Als linke Publizistin kann sie sich in der Bundesrepublik nie richtig etablieren.
Ihr Sohn wird ein anerkannter "Sowjetologe".
Menschlich kommen beide einander nur verhalten näher.
Politisch trennen sie bald wieder Welten. "Wir hatten ein umgekehrtes Generationenverhältnis", sagt Wolfgang Leonhard, "meine Mutter war linker als ich."
DLF 2012
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