Kasachstan in Zentralasien ist reich an Bodenschätzen wie Erdöl, Erdgas und Kohle. Im Vergleich zu anderen ehemaligen Sowjetrepubliken herrscht in dem Land ein gewisser Wohlstand. Das Regime gibt sich nach außen pro-westlich. Der Präsident, seit 1991 an der Macht, aber hält die Zügel fest in der Hand. Wer ihn und sein Regime kritisiert, wird eingeschüchtert - wie Sergeij Duvanov, Journalist in Kasachstan.
Sergeij Duvanov gilt als einer der schärfsten Kritiker des kasachischen Präsidenten Nasarbajew und dessen Regime. Nachdem Duvanov sich im um die Aufklärung einer Schwarzgeldaffäre bemüht hatte, in die der Präsident verwickelt war, wurde er erst von drei Männern brutal zusammengeschlagen, dann der angeblichen Vergewaltigung eines 14jährigen Mädchens angeklagt und im Januar 2003 zu 3 ½ Jahren Haft verurteilt.
Viele meiner Kollegen glauben, dass ich ein sinnloses Risiko eingehe, wenn ich mit meiner Meinung den Rahmen des Erlaubten sprenge. Angeblich ist es dumm, mit bloßen Händen gegen Schwerter zu kämpfen. Es sei nicht die Aufgabe des Journalisten mit scharfer Kritik an der Macht selbst zum Objekt der Politik zu werden.
Duvanovs Auffassung vom Journalismus ist eine andere. Er will verstehen, erläutern und vor allem aufklären. Als erster kasachischer Journalist wagte er es im Mai 2002 über Schweizer Geheimkonten des autoritären Präsidenten berichtet. In einem im Internet veröffentlichten Artikel behauptete er, dass der Präsident hunderte Millionen Dollar aus staatlichen Ölgeschäften unterschlagen hat. Für diesen Artikel ging er ins Gefängnis - die angebliche Vergewaltigung frei erfunden.
Er wollte nicht ins Gefängnis. Er wollte nicht zusammengeschlagen werden. Aber es ist nun einmal in seinem Land so, dass die Menschen verfolgt werden. Nicht nur er alleine, auch seine Kollegen haben Repressalien erdulden müssen. Und er will es weitermachen, weil er irgendwann hofft, dass die Herrschenden anders reagieren auf die Kritik.
Im Januar dieses Jahres wurde Duvanov wegen guter Führung auf Bewährung entlassen. Die US-Regierung und das EU-Parlament machten sich für seine Freilassung stark. Der freie Journalist darf wieder in seiner Wohnung leben und arbeiten, muss sich aber regelmäßig im Gefängnis melden. Duvanov schreibt eigenen Angaben nach mehr denn je - publizieren kann er meist nur im Internet, weil sich in seiner Heimat nur zwei, drei Zeitungen trauen, seine regimekritischen Artikel zu veröffentlichen. Zu über 95 Prozent sind die Medien in Kasachstan im Besitz der Familie des Präsidenten.
Nicht alle mögen seine Artikel und ihn, weil fast die ganze Bevölkerung ist anti-amerikanisch gestimmt. Und das gefällt ihm nicht. Er hat auch viele Artikel, wo er die Opposition selbst kritisiert. Und auch viele Oppositionelle sind unzufrieden mit ihm. Manchmal kritisiert er sogar seine Freunde und sie streiten sich.
Doch Sergeij Duvanov will sagen und veröffentlichen, was er denkt. Auch wenn er jederzeit damit rechnen muss, dass seine Bewährung widerrufen und er wieder ins Gefängnis gesteckt wird. Momentan schützt ihn das internationale Interesse an seiner Arbeit vor Repressalien durch das Regime. Die Hoffnung auf mehr Demokratie in Kasachstan gibt der Journalist nicht auf. Im Gegenteil. Die Ereignisse in der Ukraine bestärken ihn in seiner Hoffnung:
Er hofft, dass seine Tätigkeit und von seinen Kollegen dazu beiträgt, dass das bürgerliche Bewusstsein von seinen Landsleuten wächst. Und dann kann man bewirken wie es in der Ukraine jetzt ist. Leider lesen seine Artikel die einfachen Leute nicht. Und deswegen, damit dass was in der Ukraine passiert, muss man mehr dazu beitragen, dass die Opposition mehr mit dem Volk arbeitet und dass auch Westen hilft und mischt sich ein, damit die Opposition näher ist zum Volk.
Beiträge zum Nachhören
Deutschlandfunk
I look to you
Sendezeit: 12.02.2012, 13:05
Interview mit Heiko Maas, SPD-Spitzenkandidat im Saarland
Sendezeit: 12.02.2012, 11:05
Kath. Gottesdienst Pfarrkirche St. Maria Immaculata, Wedemark
Sendezeit: 12.02.2012, 10:06
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