Mit einer breit angelegten Werbekampagne des Bundes unter dem Motto "Studieren in FernOst" werben die Hochschulen in den neuen Bundesländern um Studentennachwuchs aus dem Westen. Die Universität Leipzig will Interessiert mit dem 99-Euro-Angebot "Abenteuer FernOst" locken - und für sich begeistern.
"Herzlich Willkommen!"
Nachmittags auf dem verwaisten Uni-Campus in der Leipziger Innenstadt. Zwischen Baustelle auf der einen und dem frisch umgebauten Hörsaalgebäude auf der anderen Seite werden rund 70 Abiturienten aus allen Teilen Deutschlands begrüßt.
Das "Abenteuer FernOst" kann beginnen. Nach einem Rundgang über den teilweise noch im Bau befindlichen Campus geht es aufs Dach des City-Hochhauses zum Begrüßungssekt im 29. Stock. Anschließend lockt das Abendbuffet im altehrwürdigen Studentenclub Moritzbastei. Mit dabei ist auch die Abiturientin Clara Becker aus Celle. Sie hat sich an der Uni Leipzig für ein Studium der Theaterwissenschaften beworben und wurde direkt von der Uni zum Reiseprogramm eingeladen:
"Ich fand's gut, weil es sehr vielseitig war. Weil man ja wirklich überall einen Einblick bekommt. In die Stadt, in die Kultur und natürlich auch die Uni. Und auch die Kneipenkultur abends, so dass man so auch schon mal andere Leute kennen lernt und sich ein bisschen auch das Studentenleben angucken kann."
Auch auf einschlägigen Internetplattformen wurde für die All-Inclusive-Reise geworben. Inbegriffen sind unter anderem Vollpension, Stadtrundfahrt, Museumsbesuch und Schnuppervorlesungen. Und sogar ausgewählte Getränke beim abendlichen Kneipenbummel. Rund 160 Abiturienten insgesamt werden über zwei Durchgänge verteilt, um Leipzig zu entdecken. Begleitet werden sie von Guides in orangen T-Shirts.
Im Osten war Clara Becker zwar bisher eher selten, hat aber schon viel über Leipzig gehört.
"Ich stand so auf der Kippe. Ich stand zwischen Leipzig und Hamburg. Hamburg wäre auch cool gewesen aber Hamburg ist wirklich ganz schön teuer. Und gerade weil ich Theaterwissenschaften studieren möchte - und ich habe von vielen gehört, dass es hier eine sehr gute Kulturszene geben soll - fand ich es echt spannend und dachte mir: 'Gucke ich es mir an und probiere es gleich mal aus'."
Mit einer lebenswerten Stadt und dem Campusneubau in der Innenstadt wirbt die Universität und hofft, dass möglichst alle Reisenden dem Charme der Stadt erliegen. Der Spaßfaktor steht sehr weit oben. Auch bei anderen Aktionen, die innerhalb der Werbekampagne "Studieren in FernOst" promotet werden. Doch Richtung Klamauk sollten die einzelnen Aktionen nicht abgleiten, warnten jüngst öffentlich einige Hochschulrektoren. Als Klamauk sieht der Leipziger Unirektor speziell die Abenteuerreise nicht. Doch mit Speck fängt man eben Mäuse, so Rektor Franz Häuser:
"Nur ist jetzt die Frage, welcher Speck wird denn gewährt. Es geht ja hier darum, die Leute hierher zu locken, um dieses Event. Die Maus, die man im Auge hat, der will man ja was Nachhaltiges zur Verfügung stellen. Nicht nur den Einmalspeck. Und wenn das ein Dauerspeck ist, dann war ja die Entscheidung auch richtig."
Für die angehende Theaterwissenschaftlerin Clara Becker jedenfalls hat der Speck geschmeckt. Nach dem dreitägigen Rund-um-Sorglospaket ist sie voll des Lobes, nicht nur, was die Stadt angeht:
"Ich hab mir heute noch die Fakultät für Theaterwissenschaften angeguckt. Das war total super und jetzt möchte ich auf jeden Fall hierher. Und ich glaube, wenn ich die Reise nicht gemacht hätte, hätte ich mich vielleicht nicht für Leipzig entschieden."
Unter den Reisenden werden sogar erste WG-Pläne geschmiedet. Ob aber an der Leipziger Uni mit über 30.000 Studenten Seminarplätze ebenso leicht zu bekommen sind wie Wohnungen - das wird Clara Becker spätestens zum Semesterbeginn im Oktober erfahren. Wenn das eigentliche Abenteuer beginnt: Das Abenteuer Studium.
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