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18.01.2010
Musikhochschule Stuttgart (Bild: Martin Storz) Musikhochschule Stuttgart (Bild: Martin Storz)

Bilanz und Ausblick

60 Jahre Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen

Von Daniela Siebert

Es ist eine andere, ruhigere Welt: Der Kosmos der 24 deutschen Musikhochschulen. Keine Streiks, längere Studienzeiten, auch auf schriftliche Arbeiten wird verzichtet. Die Bilanz nach 60 Jahren Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen fällt daher positiv aus.

Die 24 deutschen Musikhochschulen sind in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Nicht nur, weil sie sich laut eigenem Bekenntnis eine Welt ohne Musik nicht vorstellen können. Sondern auch, weil die Bildungsstreiks der letzen Monate an ihnen komplett vorbei gegangen sind. Sagt Professor Werner Heinrichs von der Musikhochschule in Stuttgart, derzeit Vorsitzender der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen in der HRK:

"Der Bildungsstreik hat sich bei uns überhaupt nicht gezeigt, weil wir als kleine Hochschulen - die wir ja nun mal sind - auch diese Umstellung auf Bachelor/Master und die Organisation unserer Studiengänge doch in sehr enger Zusammenarbeit, in wirklich gutem Miteinander mit den Studentinnen und Studenten regeln konnten."

Es gibt noch einen zweiten Grund für die Zufriedenheit der Studierenden: Die Musikhochschulen tanzen in einigen entscheidenden Punkten aus der Reihe. So dauern hier die Bachelorstudiengänge vier Jahre, anderswo nur drei:

"Damit konnten wir das bisherige Diplomstudium sehr leicht in das Bachelorstudium überführen und wir haben die Sondergenehmigung von der Kultusministerkonferenz, dass wir auf einen vierjährigen Bachelor konsekutiv - also im gleichen Fach - einen zweijährigen Master aufbauen können."

Außerdem müssen die Studierenden an den Musikhochschulen keine schriftlichen Abschlussarbeiten vorlegen. Unterm Strich ist Heinrichs deshalb mit dem Bolognaprozeß zufrieden:

"Unsere Bilanz ist sehr positiv, wir sind mit der Umstellung gut vorangekommen und sind auch im Wesentlichen mit der Umstellung zufrieden."

Ein paar Wermutstropfen brachten Bachelor und Master aber auch für die Musikhochschulen! So sind die Umstellungskosten im Verwaltungsbereich höher als erwartet. Das hat zur Folge, dass Ressourcen von der Lehre in die Verwaltung umgeschichtet wurden. Außerdem ist noch nicht so richtig ausgegoren, wie es für Musiker auf der Promotionsebene weitergehen soll, also in der dritten Ausbildungsphase nach Bachelor und Master. Dazu Professor Jörg Linowitzki von der Musikhochschule Lübeck:

"Wir brauchen Geld für die Durchführung der 3. Phase. Wir müssen einer geringen Anzahl von Studenten die Möglichkeit geben, künstlerisch zu forschen bzw. sich als Solist weiterzubilden. Dafür brauchen wir die finanzielle Ausstattung von den jeweiligen Bundesländern."

Den Zugang zum Masterstudium wollen die Hochschulen auch weiterhin durch eine Aufnahmeprüfung erschweren. Denn es müsse sichergestellt werden, dass die vielen Studierenden aus dem Ausland, die mit dreijährigem Bachelorabschluß kommen, mit den vier Jahre lang ausgebildeten deutschen Kommilitonen mithalten können. Die Mühe dürfte sich in jedem Fall lohnen, denn Jörg Linowitzki schätzt die Karriereaussichten der Absolventen als hervorragend ein:

"Sehr gut. Das kann ich einfach so sagen. Weil, wenn Sie mir früher die Frage gestellt hätten, hätte ich gesagt: 'Üben nützt immer!' Daran hat sich überhaupt nichts geändert. Ich glaube eher im Gegenteil, dass wir durch die positive Umsetzung der Bologna-Reform enger am Arbeitsmarkt sind, als wir es vorher waren."

Allerdings wurden gerade bei den Orchestern in den letzen Jahren viele Planstellen gestrichen. Auch bei den Planstellen an Opern, Theatern und kommunalen Musikschulen wird in nächster Zeit der Rotstift regieren. Von Krisenstimmung spürt man bei den Rektoren der Musikhochschulen deswegen aber noch nichts.


 
 

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