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08.02.2010
Blick auf die Altstadt von Luxemburg (Bild: AP Archiv) Blick auf die Altstadt von Luxemburg (Bild: AP Archiv)

Mehrsprachig zum Uni-Abschluss

Portrait der Uni Luxemburg

Von Ludger Fittkau

Seit fünf Jahren hat unser Nachbarland Luxemburg eine Universität. Sie ist besonders international ausgerichtet: 40 Prozent der Studierenden sollen künftig Nicht-Luxemburger sein - schon jetzt zieht sie Forscher aus ganz Europa an.

Marianne Hoffmann spricht hinter ihrem Empfangstresen des Campus Walferdange mit dem Anrufer Luxemburgisch - es könnte aber auch eine fast beliebige andere Sprache sein:

"Deutsch, Französisch, Portugiesisch, Spanisch."

Aus 20 Ländern kommen die 150 Lehrenden, die 4000 Studierenden sogar aus 90 verschiedenen Staaten. Wer Sprachen mag, ist hier deshalb an der richtigen Studienadresse, so der aus Deutschland stammende Professor Helmut Willems, Jugendforscher an der Uni Luxemburg:

"Also die Uni hat ja ein multilinguales Profil, was bedeutet, dass wir die drei offiziellen Landesprachen, das Französische, das Luxemburgische und das Deutsche auch offiziell hier haben. Für die Universität kommt natürlich hinzu, dass das Englische eine ganz, ganz wichtige Rolle spielt, weil nicht nur das Kollegium international zusammengesetzt ist, sondern auch die Studenten mittlerweile aus einer unglaublich großen Zahl von Ländern rekrutiert werden."

Die kleine Cafeteria auf dem Campus Waferdange ist Treffpunkt für die rund tausend Studierenden der Sozial-und Geisteswissenschaften. Ihr Fachbereich ist auf einem umgebauten Kasernenareal in einem Vorort von Luxemburg-Stadt untergebracht, zwei weitere Uni-Standorte sind in anderen Vierteln am Stadtrand der Hauptstadt platziert.

Bambert Schwall macht hier mit zwei Mitstudierenden Mittagspause. Der Luxemburger studiert im vierten Semester auf Lehramt und schätzt die familiäre Atmosphäre der jungen Uni:

"Man kennt sich auch normalerweise unter den Studenten, unter den Professoren, bestimmte Beziehungspersonen, wo ich weiß, zu denen kann ich gehen, wenn ich das und das Probleme habe. Im Moment ist noch alles im Aufbau, das merkt man noch ein bisschen."

Leider merke man diese Aufbauphase auch noch ein bisschen an der Struktur der Lehrangebote, bedauert Bambert Schwall. Seiner Meinung nach sollten die Lehrinhalte noch etwa präziser vermittelt werden:

"Ja, weil es noch im Aufbau ist, gibt es verschiedene Seminare, wo man merkt, die Lehrer wissen auch noch nicht so recht, was sie strukturieren sollen. Dann, weil alles im Umschwung ist, auch wegen des neuen Schulgesetzes, es ist so, dass da immer neue Innovationen kommen, dann wechselt das halt ein bisschen."

Und der nächste große Wechsel ist schon vorprogrammiert. Die zurzeit elf Bachelor und 16 Masterstudiengänge der bisher räumlich getrennten Fachbereiche Naturwissenschaften und Technik, Wirtschaft, Jura und Geisteswissenschaften sollen spätestens 2013 auf einem neuen Campus im Süden des Landes zusammengefasst werden - auf dem Gelände eines stillgelegten Stahlwerks der Stadt Esch. Der Luxemburger Student Lenartz Pohl sieht diesen Umzugsplan kritisch:

"Ich denke, es ist schon gut, dass man es zentralisiert, aber ich denke, dass die Location im Süden nicht unbedingt den Anforderungen gerecht wird. Es gibt ja drei verschiedene Campus' und ich glaube, dass das zu klein ist."

Der neue Campus ist für 5000 Studierende konzipiert, doch die Uni Luxemburg wächst stark und zieht Forscher aus ganz Europa an. Aus Thüringen ist der Soziologe Christian Wille nach Luxemburg gekommen. Weil der Wohnraum in Luxemburg selbst sehr teuer ist, wohnt der wissenschaftliche Mitarbeiter in Saarbrücken und pendelt - meist mit dem Bus:

"Der fährt eine Stunde und zwanzig Minuten und da ist man natürlich schneller als mit dem Zug. Und der fährt jetzt 13 Mal am Tag, das ist ein preisgünstiges Angebot und der wird sehr genutzt."

Für Christian Wille ist auch nach drei Jahren die Mehrsprachigkeit besonders faszinierend in der alltäglichen Uni-Arbeit. Inzwischen wechselt auch der Thüringer oft innerhalb eines Satzes die Sprache:

"Es gibt ja zum Teil in der Fremdsprache Wörter, die zutreffender sind. Da benutz man halt das Französische."

Voilà - so ist das an der Uni Luxemburg.


 
 

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