Was Bill Gates kann, können wir auch - 170 junge Menschen an der Universität Witten/Herdecke spenden zwar keine Milliarden, dafür aber soziales Engagement und Erfahrung. Das ist die Idee hinter der "und jetzt?!"-Konferenz, die gestern begonnen hat.
Auf dem Campus der Universität Witten/Herdecke wird kampiert. Im Garten der Hochschule sind riesige Zelte aufgebaut, Biertischgarnituren, eine Essensausgabe. Junge Menschen aus ganz Deutschland treffen sich hier eine Woche lang. Sie verbindet das Interesse an sozialem Engagement.
Manuel Ronnefeld ist einer von ihnen. Nach dem Abitur hat er seinen Zivildienst über den Freiwilligenaustausch Icja in Indien gemacht, und als Englischlehrer an einer Schule für arme Kinder gearbeitet.
"Es war am Anfang nicht ganz einfach, weil in Indien einfach die Schulstrukturen doch anders sind als bei uns. Es wurde teilweise noch geschlagen, was früher bei uns vor 50 Jahren der Fall war. Das wollte ich natürlich nicht machen, nur ist es dann das Problem, dass die Schüler das zum Teil am Anfang ausgenutzt haben. Dass sie einfach gemerkt haben, derjenige schlägt nicht, also kann ich über Tische und Bänke, und dann war es die größte Herausforderung, die Klasse erstmal zum Lernen ruhig zu kriegen."
Ohne Lehramtsstudium, ohne praktische Erfahrung als Lehrer, erzählt der 21-Jährige:
"Ich habe mir in der 12. Klasse geschworen, eins was ich nie werden will ist Lehrer und fand es sehr schicksalhaft, aber es war eine tolle Möglichkeit."
Das Jahr in Indien hat den Ausschlag gegeben, er will weiterhin etwas für die Gesellschaft tun.
\"Und jetzt?!", das ist auch der Titel der Konferenz in Witten mit Workshops, Vorträgen und praktische Angebote. So werden die Teilnehmer in die Stadt ausströmen und ehrenamtliche Hilfe anbieten, dort wo sie gerade gebraucht wird.
Rebecca Santelmann ist seit Kurzem aus Kambodscha zurück. Sie konnte nach ihrem Auslandseinsatz bei einer Umweltorganisation bereits erste Ideen in die Praxis umsetzen. So hat sie eine Art Stipendienprogramm ins Leben gerufen, mit dem jungen Menschen in Kambodscha eine Ausbildung oder ein Studium finanziert wird. Menschen, die sonst als Erntehelfer eingesetzt worden wären.
"Wir haben eben Leute in Deutschland gesucht, die das finanziell unterstützen, damit denen das möglich ist. Wir haben Flyer erstellt und die verteilt."
Ihre Motivation: Das gute Gefühl, helfen zu können:
"ich weiß nicht, es macht mich glücklich einfach, es erfüllt mich, so würde ich das sagen."
Doch nicht immer macht soziales Engagement glücklich. Auch das ist Thema eines Workshops in Witten: Dabei geht es um Konfliktsituationen, die im Ausland entstehen können. Mal ist es die Sprache, mal die Lebensbedingungen, die Schwierigkeiten machen können, oder sogar heikle, ja lebensbedrohliche Momente hervorrufen.
Philipp Schulze, ein 21-jähriger Medizinstudent aus Leipzig war ein Jahr in einem Krankenhaus in Tansania. Über 50 Prozent der Patienten sind dort mit HIV infiziert, die Hygienebedingungen keinesfalls vergleichbar mit denen in Deutschland.
" Für mich war es dann natürlich immer im Hinterkopf und ich habe dann versucht, soviel Sicherheitsmaßnahmen wie möglich durchzuführen, öfter mal die Hände waschen, aufpassen, dass ich nicht mit Blut oder Körperflüssigkeiten der Patienten in Berührung komme. Wenn ich mit Patienten zu tun hatte, habe ich Handschuhe angezogen."
Die Universität stellt den Teilnehmern Arbeitsräume zur Verfügung, versteht sich aber auch selbst als Institution, der bürgerschaftliches Engagement wichtig ist. Eric Hoffmann ist Sprecher:
"Es gibt viele Sozialprojekte wie zum Beispiel Luthers Waschsalon, das ist eine soziale Einrichtung der Diakonie in Hagen, bei der Zahnmediziner an einem Tag in der Woche eine Sprechstunde anbieten für Obdachlose."
Auch ein Thema der "und jetzt?!"-Konferenz: die Vereinbarkeit von Studium und gesellschaftlichem Engagement. Für viele ist das ein Problem, gerade bei den engmaschigen Bachelor- und Masterstudiengängen, die kaum Zeit für Aktivitäten neben dem Studium lassen. Die Universität Witten/Herdecke will das in Zukunft noch mehr honorieren:
"Die werden von der Universität unterstützt, nichtsdestotrotz haben wir
jetzt mal für uns überlegt, ob wir nicht quasi so als so eine Art Anschubfinanzierung für so ein Startengagement für das erste Semester auch mal Credits vergeben, einfach so um das zu integrieren quasi ins Curriculum. Wir haben das Studium fundamentale da kann man so verschiedene Projekte ausschreiben, wir können das auch ausschreiben mit Partnern aus der Region, um die intrinsische Motivation noch zu verstärken."
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