Immer mehr Unternehmer erkennen, was eine eigene und traditionsreiche Firmenhistorie an Kundenwirkung entwickeln kann und lassen sie von professionellen Historikern schreiben. Für einige Tausend Euro erforschen spezialisierte Firmenbiographen wissenschaftlich korrekt Unternehmensgeschichten und stellen sie gleichzeitig verständlich und spannend dar.
Wilfried Dahmen blättert in einem elegant-designten Buch in hellblauem Umschlag. Hochwertiges Papier, übersichtliches Layout, kurze und flott geschriebene Texte. Jedes Mal, wenn der Geschäftsführer der Bonner Druckerei "J.F. Carthaus" das Buch über die Geschichte seiner Firma in die Hand nimmt, freut er sich über seine Entscheidung, die Unternehmenshistorie professionell schreiben gelassen zu haben. Der Anlass dazu, damals vor drei Jahren, war das 150jährige Jubiläum der Firma.
Die Idee war, die Kombination aus unserer eigenen 150jährigen Geschichte und der Geschichte der Stadt Bonn in diesem Zeitraum darzustellen. Und dieses Buch beschäftigt sich auf einer Seite mit reiner Bonner Stadtgeschichte und eingebettet darin ist die Geschichte und Entwicklung unserer Firma.
Mit dem Auftrag, die Unternehmenshistorie zu schreiben, wendete sich Wilfried Dahmen an das Kölner Geschichtsbüro "Reder, Roeseling & Prüfer". Diese ungewöhnliche Firma wurde 1999 von drei ehemaligen Studenten gegründet, die sich bereits von der Uni her kannten. Der Firmenbiograph Dr. Dirk Reder:
Wir haben Geschichte studiert, alle drei. Wir haben alle drei journalistisch gearbeitet und zumindest teilweise Erfahrungen in Industrie gesammelt, mit Marketing im Industriebereich. Und wenn man diese drei Dinge zusammenbringt, dann kommt man ganz schnell dazu, History-Marketing zu betreiben, also die Geschichte nutzbar zu machen für die Unternehmen.
Mit ihrer Idee haben die promovierten Historiker aus dem Kölner Geschichtsbüro eine echte Marktlücke entdeckt. Über einen Mangel an Kundschaft kann man sich jedenfalls nicht beklagen. Im Gegenteil. Viele Unternehmer haben inzwischen erkannt, dass die eigene Firmengeschichte eine Möglichkeit ist, sich von der Konkurrenz am Markt zu unterscheiden und sich unverwechselbar zu machen. Aber auch innerhalb des Unternehmens könne so eine professionell geschriebene Historie einiges bewirken, so Dr. Dirk Reder:
Die Leute möchten wissen für was für ein Unternehmen sie arbeiten, sie möchten sich mit ihrem Unternehmen identifizieren. Und dabei ist so eine gut gemachte Unternehmensgeschichte wie eine Visitenkarte, die man Kunden und auch den eigenen Mitarbeitern voller Stolz überreicht: "Hier, das sind wir." Intern ist es mehr als eine PR-Maßnahme, da geht es wirklich um Mitarbeiterintegration, um Mitarbeitermotivation.
Die Darstellung der Unternehmensgeschichte wird in verschiedenen Formen angeboten: von der Festschrift über die Internet-Plattform bis zum Film. Die meisten Firmen legen Wert auf vorzeigbare, angenehm durchzublätternde Bücher, die man treuen Kunden und langjährigen Mitarbeitern schenken kann. Aber egal für welches Medium sich der Kunde entscheidet, dahinter stecken sechs bis zwölf Monate akribischer Arbeit.
Wir recherchieren also in Firmenarchiven, wir recherchieren in öffentlichen Archiven. Wir werten Mitarbeiterzeitschriften aus, wir führen Interviews mit langjährigen Mitarbeitern. Wir führen die Bildrecherche durch, wir entwickeln gerne zusammen mit den Graphikern ein graphisches Konzept und bieten letztlich die ganze Firmengeschichte aus einer Hand an.
Historische Fachkompetenz sei für einen Firmenbiographen bei weitem nicht das Einzige, über das er verfügen müsse, sagt Dr. Dirk Reder. Die Geschichte muss gut geschrieben werden: verständlich und spannend. Aber auch das allein macht noch keine gute Firmenhistorie aus. Die Erzählung über das Unternehmen darf nicht in der Luft hängen. Das gesamte Umfeld der Firma muss berücksichtigt werden: von der wirtschaftlichen Entwicklung der Branche bis hin zu prägenden historischen Ereignissen. So wie zum Beispiel die Geschichte der Druckerei "J.F. Carthaus" parallel zur Geschichte der Stadt Bonn erzählt wird.
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