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01.11.2005
Praktikantin in einem Metallbetrieb (Bild: AP) Praktikantin in einem Metallbetrieb (Bild: AP)

Praktikanten in Wut

Französische Studenten kämpfen für Gesetzesprojekt

Von Suzanne Krause

Nicht nur in Deutschland nimmt das Phänomen der ausgebeuteten Praktikanten zu. In Frankreich ist die Entwicklung mindestens ebenso dramatisch. Dort haben Studenten nun die Bewegung der Praktikanten in Wut gegründet. Sie kämpfen dafür, dass der Praktikantenstatus per Gesetz im Arbeitsrecht genau definiert wird.

Katy gibt ihren Nachnamen nicht preis. Und auch der Vorname ist erfunden. Denn Katy hat die Bewegung der Praktikanten in Wut aus der Taufe gehoben und fürchtet nun, sich damit potentielle Arbeitgeber zu verprellen. Als aufmüpfig verschrien zu werden, wo sie doch nur eines möchte: endlich einen richtigen Arbeitsplatz. 32 ist Katy heute, hat ihr Abi in der Tasche und insgesamt zehn Jahre Studium absolviert: Mit einem Management-Abschluss an einer Pariser Elite-Uni, einem Master an der Akademie der Schönen Künste.

Ich habe also eine ziemlich hochwertige Ausbildung. Doch seit eineinhalb Jahren suche ich vergeblich einen Job. Und ich muss feststellen, dass heute die Zahl der Praktikumsangebote ins Uferlose steigt und die der Jobangebote in den Keller geht. Ich selbst habe mittlerweile acht Praktika absolviert, Posten in verantwortungsvoller Position, Arbeit, für die ich null Euro Lohn bekam.

Geraume Zeit meinte Katy, das Problem der unbezahlten Pratika betreffe nur ihren Bereich, der Kultursektor oder auch die Verlagsarbeit. Doch seit Ende Sommer wird sie auf ihren neu gegründeten Blog von den Zeugenaussagen von Schickalsgenossen geradezu überrollt:

Betroffen davon ist auch der Bereich der Werbung, der Sektor Personalführung, das Bank- und Finanzwesen, da kommen viele Mitglieder unserer Protestbewegung her, ebenso wie aus den Rechtswissenschaften, aus dem Consulting-Bereich. Und in unseren Reihen befinden sich sogar Informatik-Ingenieure. Der öffentliche Dienst ist betroffen, Dienstleistungsunternehmen wie auch der Versandhandel und ebenso Börsen-Firmen, die eigentlich schwarze Zahlen schreiben. Aber die genau wie alle anderen die Praktikanten als kostenlose Arbeitnehmer ausnutzen, mit denen man umspringen kann, wie man will.

Die Praktikanten in Wut kämpfen nun für ein Gesetzesprojekt: im Arbeitsrecht soll der Praktikantenstatus verankert und genau definiert werden. Für ihren Einsatz wollen sie Lohn und dass der Arbeitgeber die Sozialversicherung übernimmt. Die Länge der Praktika soll auf einige Monate beschränkt bleiben. Und soll im selben Betrieb nicht beliebig fortschreibbar sein.

Ich hege die Hoffnung, irgendwann mal einen Posten in meinem Sektor, der Kultur, zu ergattern, wo ich mich dann zu meinem Traumjob hocharbeiten kann. Ich bin jetzt 32, ich würde gerne eine Familie gründen, aber derzeit sieht es damit verdammt schlecht aus. Und auch das ist für eine junge Frau wie mich ziemlich schmerzhaft.



 
 

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