Angesichts einer sinkenden Zahl ausländischer Studenten und Wissenschaftler haben die USA nach dem 11. September 2001 aufgebaute bürokratische Hürden aus dem Weg geräumt. Einiges ist mit der Initiative von Außenministerin Condolezza Rice und Heimatschutzminister Michael Chertoff tatsächlich leichter geworden. Doch manche Hindernisse bleiben.
Die Webseite des US-Außenministeriums, die ausländische Studierende und Wissenschaftler zum Aufenthalt in den USA einlädt, ist neu gestaltet worden und zum ersten Mal seit "9-11" nicht nur übersichtlich, sondern auffallend freundlich. Die Botschaft lautet offenbar: Die Zeit der Ungewissheiten und Verzögerungen, die wegen einer chaotischen Visumsvergabe und langwierigen Sicherheitsüberprüfungen zu verspätetem Studienbeginn und geplatzten wissenschaftlichen Konferenzen führte, ist vorbei. Bewerbt Euch, Ihr seid willkommen!
Hintergrund der neuen Offenheit, mit der die USA auf den akademischen Nachwuchs im Ausland zugehen, ist die Erkenntnis, dass die Sicherheitsmassnahmen nach "9-11" und der Antiterrorkrieg dem Land werbetechnisch nicht gerade förderlich waren. Die Rice-Chertoff-Initiative zielt darauf ab, das ramponierte Image wenigstens im Bereich der Auslandstudenten aufzubessern, was der Berater von Condolezza Rice, Philip Zelikow, zugibt:
"Aus Gründen, die verständlich sein dürften, hatten wir nach "9-11" mobil gemacht. Ein Ergebnis war dabei ein Amerika, das für Viele nicht mehr so einladend war. Wir wurden nicht mehr als gastfreundliches Land angesehen."
565.000 ausländische Studenten halten sich derzeit in den USA auf. Doch in den vergangenen beiden Jahren war die Zahl um 2,4 und dann noch einmal um 1,3 Prozent zurückgegangen, ein verheerender Trend, denn zum ersten Mal seit einem halben Jahrhundert war er rückläufig. Die Universitäten bliesen Alarm, nicht zuletzt wegen der Furcht um Wettbewerbseinbußen auf dem internationalen Markt. Verärgert stellte die Washingtoner Regierung fest, dass England, Deutschland, Kanada und Australien Zuwächse an ausländischer Intelligenz erfuhren. Das US-Außenministerium behauptet inzwischen, die bürokratischen Engpässe seien behoben. 97 Prozent der ausländischen Bewerber würden innerhalb von zwei Tagen ein US-Studentenvisum erhalten. Auch hoch spezialisierte Wissenschaftler würden weniger Wartezeit als zuvor in Anspruch nehmen müssen, beteuerte Außenministerin Condolezza Rice Mitte
Januar:
"Vor zwei Jahren musste beispielsweise ein russischer Wissenschaftler zweieinhalb Monate darauf warten, bis er die Sicherheitsüberprüfung durchlaufen hatte und sein Visum erhielt. Das dauert heute weniger als zwei Wochen."
Die Zahl der US-Visumsbeamten in US-Botschaften und -Konsulaten wurde innerhalb der letzten Wochen tatsächlich um mehr als 500 aufgestockt. Und Washington-kritische Stimmen wie die von Al Teich von der American Association of the Advancement of Science bestätigen Verbesserungen.
"Wir stellen einen deutlichen Rückgang von Beschwerden und Horrorgeschichten fest, die mit der Visumssituation für Ausländer zu tun haben. Daraus ist zu schließen, dass sich die Situation für ausländische Studierende und Wissenschaftler verbessert hat."
Doch Probleme bleiben. So müssen Bewerber an manchen US-Konsulaten wie im saudischen Riad bis zu eineinhalb Monate warten, bis sie überhaupt zu einem Gespräch geladen werden. Zudem sieht die Regelung vor, dass Studierende und Wissenschaftler, um ihr ablaufendes Visum zu verlängern, die USA verlassen und sich am US-Konsulat im Heimatland neu bewerben müssen.
Al Teich: "Schwierig bleibt es bei der Verlängerung von Visa, wenn man das Land verlassen muss, ohne zu wissen, ob und wann man wieder zurück kann. Einige Universitäten haben ihren ausländischen Studenten deshalb geraten, nicht nach Hause zu reisen und einfach hier zu bleiben. Das Risiko, nicht mehr hereingelassen zu werden, ist einfach zu groß."
Die Universitäten hoffen offenbar darauf, dass sich dadurch ein Rückstau ergibt, der auf Washington Druck ausübt, die Visumsverlängerungen doch von den USA aus zu erledigen.
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