Wer die beinahe flächendeckende Einführung von Studiengebühren in Deutschland skeptisch beäugt hat, wird erst recht den Kopf schütteln über die Botschaft, die heute aus Brüssel kam: Die EU-Kommission hat ihren Mitgliedsstaaten eine Empfehlung ausgesprochen. Sie lautet: Wer noch keine allgemeinen Studiengebühren eingeführt hat, der sollte das in Angriff nehmen.
Bildungskommisar Jan Figel verspricht sich davon einen neuen Schwung in der europäischen Hochschullandschaft.
"Wir schlagen das nicht zwingend vor, aber wir wollen eine klare Botschaft aussprechen: Ein kostenfreier Zugang zu Hochschulen garantiert keine Chancengleichheit. Von der Effizienz solcher Unis ganz zu schweigen. Ein Kurswechsel in Richtung Eigenbeteilung, persönlicher Finanzierung sollte zu höherer Effizienz und auch mehr Gleichheit führen."
Zahlreiche Studien hätten gezeigt, dass eine ökonomische Ausrichtung im Bildungssektor nicht per se ungerecht sei, wie viele dächten. Studiengebühren müssten allerdings sozial abgefedert werden, so Figel. Australien sei in dieser Hinsicht ein Vorzeige-Land:
"Das Beispiel zeigt: führt man Studiengebühren ein und regelt zugleich die finanzielle Absicherung der Studierende, dann steigen die Studienzahlen, und auch, wie ich glaube, die Qualität. Denn dann ist man etwas mehr marktorientiert."
Etwa die Hälfte der EU-Mitgliedsstaaten haben bereits ein gebührenpflichtiges Studium eingeführt. Die Empfehlung der Brüsseler Kommission an die übrigen Länder, gleichzuziehen, steht zunächst noch im luftleeren Raum. Ende September will sich die EU weiter damit befassen, auf einer Bildungskonferenz in Helsinki.
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