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12.12.2006
Studierende weisen mehr Stresssymtome auf.  (Bild: Stock.XCHNG / Thad Zajdowicz) Studierende weisen mehr Stresssymtome auf. (Bild: Stock.XCHNG / Thad Zajdowicz)

Überforderte Studierende

Beratungsstellen der Studentenwerke gefragt

Von Caroline Neider

Das süße Studentenleben wird für einige Kommilitonen zunehmend bitterer. Viele Studierende fühlen sich von den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen überfordert. Sie bekommen Schlaf- oder Essprobleme und zweifeln zunehmend an den eigenen Leistungen.

"Besonders, wenns Richtung Klausuren geht. Das ist schon so, dass ich mich überfordert fühle, weil es einfach so viel ist, und man nicht weiß, wo man anfangen soll. In der Zeit denke ich halt die ganze Zeit nur an die Klausuren, daher schläft man schlecht und solche Sachen halt. Und man hat halt immer das Gefühl, man schafft es nicht."

Niki Schönfeld ist frustriert. Sie studiert Betriebswirtschafts-Lehre auf Bachelor an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Vor einem Jahr ist die 21-Jährige von Hamburg hierher gezogen. Nach nur zwei Semestern ist der Stress schon deutlich zu spüren.

"Also, manchmal ist es mir schon zu viel das ganze Studium und die Arbeit und alles, was da erwartet wird. Ja, wir werden sehen, wie's läuft."

Niki Schönfeld ist kein Einzelfall. Viele Studierende aus Bachelor- und Masterstudiengängen fühlen sich verunsichert und kommen zu den Beratungsstellen der Studentenwerke. In München hilft die Psychologin Petra Holler den Studierenden, und sie hat eindeutig mehr Patienten mit Stress-Symptomen in ihrer Praxis als vor der Reform.

"Zum einen sind sie sehr überfordert und belastet durch eine starke Verschulung des Studiengang. Das heißt, sie haben sehr eng gestrickte Wochenpläne mit teilweise rund durchgehender Präsenzpflicht. Sie müssen sehr viel schriftliche Nachbereitung vorlegen. Und wenn Sie sich jetzt überlegen, das viele Studenten häufig bis zu 20 Wochenstunden nebenher auch jobben oder arbeiten müssen, nicht. Dann ist das eigentlich schier unmöglich."

Steffen Müller sieht das ähnlich. Er macht gerade seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik an der TU München und hält Nebenjobs für fast unmöglich.

"Sag ma so, es ist ein Vollzeitstudium. Das Korsett ist recht eng geschnürt, und man tut gut daran, sich an den Studienplan zu halten, weil sonst stauen sich die Prüfungen sehr schnell an, und dann wird das nix mit dem Bachelor. Also nebenher viel arbeiten geht ganz sicher nicht."

Auch wenn's eigentlich nicht geht: Nach Schätzungen des Münchner Studentenwerks arbeiten hier mehr als zwei Drittel der Studierenden nebenher. Wer die Balance zwischen Studium und Arbeit irgendwann nicht mehr schafft, der kommt zu Petra Holler in die Sprechstunde:

"Wenn Sie permanent unter Leistungsdruck und Stress stehen, wenn Sie keine ganz robuste Natur sind und das wegstecken, dann kommt's einfach zu Überforderungssyndromen. Die äußern sich auf körperlicher Ebene: Schlafstörungen, kann sich aufs Essverhalten niederschlagen, kann sich in diffusen Schmerzstörungen, oder Somatisierungen nennen wir das, niederschlagen, dann auch Symptome, die man auch bei depressiven Reaktionen oder Entwicklungen feststellt. Es ist einfach zu viel dann."

Auch BWL-Student Tobias Franz kennt das Gefühl, wenn sich die Sorgen um die Zukunft breit machen:

"Hin und wieder schon, ja. Also, es ist halt das Problem, das viele haben. Wir haben jetzt im dritten Semester fünf Klausuren, wenns normal gehen würde. Wenn man nicht alle bestanden hat, so wie ich, dann hat man sechs. Manche haben sieben oder acht. Und dann steht man im dritten Semester fast schon mim Rücken zur Wand. Weil im vierten, wenn man's nicht schafft, wird man exmatrikuliert."

Das Wichtigste ist in dieser Situation, den Hilfesuchenden wieder Luft zum Atmen zu verschaffen, sagt die Psychologin:

"Das wir dann versuchen, als allererstes: Druck raus! Dass er überhaupt erstmal wieder in der Lage ist, sich zu orientieren. Und dann überlegen, ok, je nachdem wo die Hauptquellen der Schwierigkeiten liegen, was kann man dran verändern, wie kann man ihn unterstützen?"

Um den veränderten Leistungs-Druck zu dokumentieren, hat die Münchner Beratungsstelle begonnen, eine Statistik zu führen. So soll die Zahl der überforderten Studierenden nach alter und neuer Studienordnung ermittelt werden. Auch der freie Zusammenschluss von Studentinnenschaften in Berlin führt nun eine eigene Studie durch. Die ersten Zahlen werden Anfang des Sommersemesters auf dem Tisch liegen.


 
 

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