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29.05.2007
Zeitungsständer an einem Kiosk in Bremen. (Bild: AP) Zeitungsständer an einem Kiosk in Bremen. (Bild: AP)

Studien á la Leipziger Allerlei

Wissenschaftsrat kritisiert Medienwissenschaften

Von Jacqueline Boysen

Der Wissenschaftsrat hat den Medien- und Kommunikationswissenschaften in Deutschland ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. In Forschung und Lehre fehle die Systematik. Und das Beispiel USA zeige, dass auch die Politikberatung hierzulande zu kurz komme.

Eine nachgerade unwissenschaftliche Form der Beliebigkeit attestiert der Wissenschaftsrat den Medien- und Kommunikationswissenschaften in Deutschland: Dieser gesellschaftspolitisch wichtige und von Studenten vermehrt nachgefragte Wissenschaftszweig treibt vielerorts Wildwuchs, stellt Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats fest

"Es ist eine Entwicklung, die sich in den letzten 10, 15 Jahren deutlich abgezeichnet hat, dass sich die Studiengänge, die Fachhochschulen und Hochschulen anbieten, dort, weil sehr viel Studierende mit einem diffusen Berufswunsch kommen "Wir wollen irgendwas mit Medien studieren", dass darauf die Hochschulen mit deutlich unterstrukturierten Leipziger-Allerlei-Studien reagiert haben."

Wolle die Kommunikationswissenschaft in Deutschland ihre Leistungsfähigkeit erhöhen und auf die kontinuierlich steigende Nachfrage nach akademischer Bildung in der Medienbranche antworten, so seien Forschung und Lehre neu zu strukturieren, empfiehlt der Wissenschaftsrat. Die sozial- und geisteswissenschaftlichen Elemente, aber auch informations- und ingenieurwissenschaftliche Komponenten von Studium und Forschung müssten dringend in ein sinnvolles Gleichgewicht gebracht werden. Module aus den technischen Fakultäten fehlten bislang bei den eher geisteswissenschaftlichen Studiengängen, Technikern und Informatikern wiederum mangele es in der Regel an der medientheoretischen Grundlage ihres komplexen Fachgebietes.

Nicht zuletzt gehöre zu sinnvoller Empirie auch ein umfassendes und systematisches Medienarchiv, woran es in Deutschland leider hapere, so Strohschneider.

"Das prägnante Exempel für die medienkulturelle Amnesie, die da droht: Die erste Sendung der 'Tagesschau' und die zweite und dritte, die gibt es gar nicht mehr. Bei der 'Aktuellen Kamera' und der 'Tagesschau' gab es allerdings eine Rettung, weil die Geheimdienste der jeweils anderen Seite die aufgezeichnet haben."

Der Wissenschaftsrat empfiehlt die Medienwissenschaften auch als Ratgeber für die Politik: Am Beispiel der USA zeige sich, was für eine gewichtige Stimme dieser Disziplin in den think tanks zugestanden werde

"Man braucht das, wenn man über die medial induzierten Wandlungen der Gesellschaft zulänglich sprechen können will."


 
 

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